Bank für die Mitfahrer jetzt auch in Werth

Das Angebot soll Menschen ansprechen, die nicht mobil sind. Senioren oder auch junge Leute , die kein eigenes Auto besitzen, aber einkaufen wollen.

In Werth gibt es bereits eine Mitfahrerbank, auf der Menschen warten können, die eine Mitfahrgelegenheit suchen. Dort kann man verschiedene Ziele angeben. Foto: S. Essers
In Werth gibt es bereits eine Mitfahrerbank, auf der Menschen warten können, die eine Mitfahrgelegenheit suchen. Dort kann man verschiedene Ziele angeben. Foto: S. Essers

Infrastruktur und Nahversorgung in Werth lassen sich auf zwei verschiedene Weisen betrachten. Pessimisten könnten anführen, dass es dort weder eine ausreichende Busverbindung in die umliegenden Dörfer, noch ein Lebensmittelgeschäft gibt. Und in beiden Punkten hätten sie vollkommen recht. Dann gibt es allerdings auch noch die Optimisten. Zu ihnen gehören Rita Felden, Adolf Konrads, Ralf Hennen, Roland Gillessen und Udo Rüttgers. Sie haben sich nämlich für ein Projekt eingesetzt, das es in dieser Form in Stolberg bisher noch nicht gegeben hat: die Mitfahrerbank.

 

Seit Mitte September gibt es vor der alten Schule in Werth ein Exemplar. Das Pendant ist am Netto-Markt im benachbarten Gressenich zu finden. Weitere Bänke könnten in Zukunft folgen, zeigt sich auch Stolbergs Technischer Beigeordneter Tobias Röhm optimistisch. Doch von vorne.

 

Für alte und junge Leute

 

Was ist eine Mitfahrerbank? Eine Mitfahrerbank spricht die Menschen an, die nicht besonders mobil sind. Das können beispielsweise junge Leute sein, die sich kein Auto leisten können oder auch ältere Menschen, die ihre Einkäufe erledigen möchten, aber keinen Wagen besitzen.

 

„Es ist ein Angebot, das es zusätzlich zum öffentlichen Verkehr gibt. So können die Menschen in Werth mobiler und flexibler sein“, sagt Udo Rüttgers, Vorsitzender der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CAD) in Stolberg. Gemeinsam mit den Mitgliedern des zuständigen CDU-Ortsverbands entstand die Idee. „Wir wussten, dass es in der Eifel bereits Bänke gibt und hielten das für eine gute und umsetzbare Sache“, sagt Rüttgers.

 

Alte Bank genutzt

 

Da es vor der alten Schule in Werth bereits eine Bank gab, schlug Rita Felden vor, diese als Mitfahrerbank umzufunktionieren. Ein entsprechender Antrag ging in den Stolberger Stadtrat, und seit Mitte September wird die Mitfahrerbank in Werth genutzt.

 

Wie funktioniert eine Mitfahrerbank? Dass diese Frage nicht so banal ist, wie sie im ersten Moment scheint, weiß Ralf Hennen zu berichten. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es viele Leute gibt, die das System noch nicht verstanden haben“, sagt er. Wer eine Mitfahrerbank nutzen möchte, muss eigentlich nicht allzu viel beachten. Für den Nutzer gilt: Die Richtungsschilder in die gewünschte Fahrtrichtung umklappen, Platz nehmen und so lange warten, bis jemand mit seinem Pkw anhält.

 

Hält jemand an, erklärt man ihm das Ziel. „Wir hoffen, dass sich das Projekt herumspricht und vor allem gut angenommen wird“, sagt Rüttgers. Auch Ängste wollen die Initiatoren den Bürgern gerne nehmen. „Natürlich sollte man nur zu Menschen ins Auto steigen, die man kennt. Aber das ist in einem Dorf ja meistens der Fall“, sagt Rita Felden.

 

Unterstützung gab es bei diesem Projekt auch von der Stolberger Verwaltung. „Wir haben dieses Projekt gerne unterstützt, weil es gerade im ländlichen Raum ein zusätzliches Mobilitätsangebot ist“, sagt Tobias Röhm. Wer die Mitfahrerbank nutzen möchte, kann übrigens nicht nur den Supermarkt in Gressenich als Ziel angeben, sondern sich auch ins Stolberger Zentrum, nach Mausbach oder sogar ins benachbarte Eschweiler mitnehmen lassen. Dort gibt es zwar noch keine Mitfahrerbank, dafür hat man in anderen Kommunen in der Städteregion bereits Erfahrungen mit diesem Projekt sammeln können.

 

In der Gemeinde Simmerath gibt es mittlerweile seit Mai dieses Jahres zwei Exemplare: eins in Rollesbroich und eins in Erkensruhr. Sie wurden als Ergänzung des ÖPNV angeschafft. Momentan setze man sich damit auseinander, wie die Mitfahrerbänke von der Bevölkerung angenommen werden, sagt André Koll von der Strukturabteilung der Gemeinde Simmerath. Keine einfache Aufgabe. Schließlich gebe es keine Zahlen, die darstellen, von wie vielen Personen die Mitfahrerbänke tatsächlich genutzt werden. „In Rollesbroich gehe ich selbst regelmäßig vorbei und sehe, dass die Schilder bewegt wurden“, sagt Koll. Im Austausch mit den beiden Ortsvorstehern sei herausgekommen, dass die Bänke gut angenommen würden.

 

Sieben Bänke in Baesweiler

 

Wäre dies tatsächlich der Fall, könnte es sein, dass noch weitere Exemplare in der Gemeinde Simmerath aufgestellt würden. Insgesamt sieben Mitfahrerbänke gibt es in Baesweiler. Alle Ortsteile sind Anfang dieses Jahres mit einer Bank ausgestattet worden. So soll vor allem in den kleineren Ortsteilen die Verbindungen zu den größeren Orten wie Setterich oder Baesweiler gewährleistet werden. „Die Resonanz ist grundsätzlich positiv“, sagt Birgit Kremer-Hodok, die sich bei der Stadt Baesweiler um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Auf eine solche Entwicklung hofft man nun auch in Werth. „Es ist eine Zukunftsidee und wir hoffen, dass sie noch viele Anhänger findet“, meinen Felden und Rüttgers.

 

Quelle: Stolberger Nachrichten / Zeitung