Ein neues Kino für die Stolberger?

Auf Antrag des Hauptausschusses nimmt die Stadt Kontakt zu Betreibern auf. Ein Interessent gefunden.

Die Zeiten, in denen die Stolberger ein eigenes Kino in ihrer Stadt hatten, liegen schon eine ganze Weile zurück. In den 90er Jahren schloss das letzte Kino, seitdem zieht es die Stolberger für den gemütlichen Kino-Abend meist nach Aachen, Eschweiler oder Alsdorf. Doch das könnte sich bald wieder ändern.

 

Auf einen Antrag des Hauptausschusses hin hat die Stadtverwaltung den Kontakt zu möglichen Kino-Betreibern gesucht und erste Gespräche geführt. „Wir haben bereits einen Betreiber gefunden, der grundsätzlich Interesse hat“, sagt Nathalie Malekzadeh, Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Stolberg. Die Verhandlungen seien noch vage und gerade die Frage nach einem möglichen Standort offen. Im Interesse der Stadt wäre es, den Leerstand in der Innenstadt zu nutzen und ein mögliches Kino dort anzusiedeln, sagt Malekzadeh.

 

Standortanalyse

 

Dass erste Gespräche laufen, ist eine Entwicklung, die Hans Bruckschen, Vorsitzender der Arbeitsgruppe für Schule, Kultur, Sport und Tourismus des CDU-Stadtverbandes, sehr begrüßt. Ins Rollen gebracht hat das Ganze nämlich die Arbeitsgruppe für Schule, Kultur, Sport und Tourismus der Stolberger CDU. Anfang September hatte die Partei einen Antrag an die Stadtverwaltung gestellt, eine Standortanalyse durchzuführen, um zu prüfen, ob die Ansiedlung eines Kinobetriebes ermöglicht werden könne.

 

Zudem wurde der Stadtverwaltung nahegelegt, Kino-Betreiber zu kontaktieren und erste Gespräche zu führen. Der Hauptausschuss hatte daraufhin einstimmig beschlossen, die Verwaltung zu einer solchen Prüfung zu beauftragen.

 

„Das Ganze muss in das Gesamtkonzept der Stadt eingebettet werden“, meint Bruckschen. In der Umsetzung eines Kinos sieht er einen entscheidenden Vorteil: Finde man einen Kinobetreiber, der sich in Stolberg niederlässt, könnte das die Stadt aufwerten und auch Menschen aus Eschweiler und der Eifel anziehen.

 

Der Partei schwebe dabei kein kleines Kino vor, wie man das beispielsweise in Eschweiler habe, sondern ein größeres Kino, beispielsweise von einem großen Betreiber wie „UCI“ oder „Cinemaxx“. „Wer für den Kino-Besuch in die Stadt kommt, wünscht sich schließlich auch ein abendfüllendes Programm“, sagt Bruckschen. Geliebäugelt wurde seitens der Partei bislang vor allem mit der UCI-Gruppe, die zu den größten Kino-Betreibern in Deutschland zählt. In jedem Fall solle es ein Betreiber sein, der Erfahrung hat und das entsprechende Know-how mitbringt, ist Bruckschen überzeugt.

 

„Den Leerstand in der Innenstadt für ein neues Kino zu nutzen, wäre das Optimum“, ist auch er überzeugt. Wenn es schließlich jedoch daran scheitern würde, dass kein geeignetes Gebäude gefunden werden kann, wäre das schade, findet der Politiker. Eine Option sieht er in diesem Fall auch darin, einen Standort in Innenstadtnähe zu finden.

 

Die aktuellen Entwicklungen sind Grund genug, einmal auf die Historie Stolbergs in Sachen Kinowelt zu schauen. Denn Stolberg war ja nicht immer „kinolos“. Die ersten Stolberger Kinos öffneten schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das erste Kino der Stadt war das heute unter dem Namen „Capitol“ bekannte Kino an der Eschweilerstraße, das im Jahr 1912 seine Türen öffnete. Das Kino wechselte häufig seinen Namen: Trug es zunächst den Namen „American Bio“, wurde es im Ersten Weltkrieg in „Apollo Theater“ umbenannt, nach 1918 wiederum in das „Cinema National“. Später hieß es dann „Modernes Theater“. Für das „Capitol“ ging das Licht im Jahre 1964 aus.

 

Zu den ersten Stolberger Lichtspielhäusern zählte neben dem „Capitol“ auch das „Pariser Kinema“ am Schellerweg, das 1913 aufmachte, Mitte der 1920er Jahre jedoch bereits wieder schloss. 1914 zog die „Schauburg“ nach: Das Kino an der Rathausstraße war mit seinen insgesamt knapp 800 Sitzplätzen nicht nur das größte Kino der Stadt, sondern auch das, das sich am längsten hielt und eine feste Größe in der Stadt war. 1985 machte das Kino dicht. Es folgte eine Videothek in den Räumlichkeiten, heute steht das Gebäude leer und zählt sicherlich nicht zu den Flecken in der Innenstadt, auf die die Stolberger besonders stolz sind.

 

Zu den Besonderheiten des Kinos zählen unter anderem zwei Auftritte von Marlene Dietrich, die dort in den 40er Jahren – ausschließlich vor US-Militärangehörigen – auf der Bühne stand.

 

In den 30er Jahren öffnete in Mausbach das „Zentraltheater“, in den 50er Jahren kamen das „Residenz-Theater“ auf der Rathausstraße und das „Burgtheater“ auf der Zweifaller Straße hinzu. Das „Burgtheater“ war das bis heute letzte Kino der Stadt, es schloss 1997.

 

Quelle: Stolberger Nachrichten / Zeitung