Auf dem Weg zu einem "Stolberg-Gefühl"

Die Kupferstadt möchte ein eigenes Leitbild entwickeln . Studenten präsentieren erstes Konzept und einen Maßnahmenplan.

Der gesamte Ratssaal hängt gebannt an ihren Lippen. Es geht um Identifikation, um Kommunikation – und um die Entwicklung eines „Stolberg-Gefühls“. „Wenn wir an die Stadt glauben und uns mit ihr identifizieren, wenn es ein Stolberg-Gefühl gibt, dann werden wir zusammenschmelzen“, sagt Anne Graetz. Der Rest geht im Applaus der anwesenden Besucher und Ratsmitglieder unter.

 

Zusammen mit neun Kommilitonen von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW in Köln hat sich die 21-jährige Stolberger Stadtinspektoranwärterin in den vergangenen zehn Wochen im Rahmen einer Projektarbeit damit beschäftigt, einen Maßnahmenplan und ein erstes Konzept zur Entwicklung eines Leitbilds für die Kupferstadt Stolberg zu erstellen. Nun präsentierten die Studenten die Ergebnisse ihrer Arbeit dem Haupt- und Finanzausschuss.

 

Und der zeigte sich begeistert. Da war von „vielen guten Ideen“ die Rede und von „wertvollen Anregungen“. Besonders Bürgermeister Tim Grüttemeier (CDU) war schwer beeindruckt von der Arbeit der jungen Verwaltungsmitarbeiter. „Ich habe im Vorhinein nicht gewusst, was uns heute Abend erwarten wird, und ich muss sagen, das war eine hervorragende Leistung“, sagte er. „Ab jetzt haben wir als Stadt alle Hände voll zu tun, aber ich verspreche, dass wir die Aufgabe angehen.“

 

Jetzt ist die Stadt am Zug

 

Die nächsten Schritte nämlich muss die Stadtverwaltung selbst gehen. „Ein Leitbild muss gelebt werden“, so Kathrin Werner, ebenfalls eine der studentischen Vortragenden und Auszubildende bei der Städteregion Aachen. Daher müsse es maßgeblich von den teilhabenden Akteuren entwickelt werden.

 

Denn laut Definition ist ein Leitbild die schriftliche Erklärung einer Organisation über ihr Selbstverständnis und ihre Grundprinzipien und formuliert Ziele für die Zukunft. Es gibt Orientierung und bildet den Rahmen für eine strategische Neuausrichtung. Im Gegensatz zu Städten wie Düren oder Würselen hat Stolberg bislang noch kein Leitbild formuliert.

 

Dabei existiert die Idee dazu bereits seit rund anderthalb Jahren in den Köpfen der Stadtverwaltung, doch erst das Engagement von Mitarbeiterin Anne Graetz brachte die Idee nun der Umsetzung einen entscheidenden Schritt näher.

 

Die Starthilfe liegt der Stadt in Form eines 180-seitigen Berichts vor. Darin zusammengefasst sind die Ergebnisse aus 35 Interviews mit Verwaltungsmitarbeitern, Rats­mitgliedern aus allen Fraktionen und externen Unternehmen und Verwaltungen, genauso wie theoretische Überlegungen und ein konkreter Maßnahmenplan mit Vorschlägen für die Stadtverwaltung.

 

Das Herzstück des Projekts ist jedoch das graphisch ausgearbeitete Grobkonzept. Zehn Schlagworte, die die Studierenden aus den Befragungen herausziehen konnten, darunter Bürger­­orientie­rung, Trans­parenz, Personalmanagement und Identifi­kation, fließen in einem Trichter zusammen. Dadurch verbinden sie sich zu einem gemeinsamen Ganzen und münden schließlich im Slogan: „Kupferstadt Stolberg – So schmelzen wir zusammen“.

 

„Wir wollten in diesem Spruch örtliche Besonderheiten aufgreifen – und das ist in Stolberg das alte Handwerk der Metallverarbeitung“, sagte Graetz zur Erklärung. Denn in den alten Kupferhöfen, die sich noch immer über das gesamte Stadtgebiet verteilen, wurde seinerzeit Messing geschmolzen und in Form gegossen.

 

„Noch Luft nach oben“

 

Laut Bürgermeister Grüttemeier ist der Entwurf ein Volltreffer. „Der Slogan ist einsame Spitze. Den werden wir definitiv übernehmen“, sagte er. Doch erstmal stünden für ihn die Personalentwicklung in der Verwaltung und die Stadtentwicklung mit Bürgerbeteiligung an erster Stelle – alles auch Punkte auf dem studentischen Maßnahmenplan.

 

Deren Vorschläge sind sogar ziemlich konkret. Da geht es um die Einführung eines Bürgerportals, um Personalgewinnungsstrategien und um Gestaltungsvorschläge im Rathaus selbst. „Für eine ansprechendere Aufmachung der Infokästen würde es schon reichen, sie mit Informationen zu füllen“, sagte Graetz und sorgte damit für allgemeine Erheiterung.

 

Auch sei die Verwaltungssprache oft zu abstrakt. Im Sinne der Bürgerorientierung müsse verstärkt darauf geachtet werden, eine bürgerfreundliche Sprache zu verwenden, um mehr Vertrauen aufzubauen. Ebenso sei in Bezug auf die Präsenz der Stadt Stolberg in den sozialen Medien „noch Luft nach oben“.

 

Quelle: Stolberger Nachrichten / Zeitung