Abwarten oder Veränderung zulassen?

Immer noch fehlende Ausbauplanung für den Büsbacher Ortskern verhindert seniorengerechte Ertüchtigung von Bushaltestellen

Die Situation sei für Senioren und gehbehinderte Menschen nicht nur unhaltbar, sondern vor allem gefährlich, sagt Maria Rösseler an der Bushaltestelle „Büsbach Markt“ in Fahrtrichtung Kirche, wo einige Senioren auf die Missstände hinweisen. „Die Busse können nicht nah genug an den Bordstein heranfahren. Dadurch müssen die Passagiere gleich zwei Stufen bewältigen – die kleine von Bordstein auf Busspur und die große in den Bus hinein.“ Besonders hoch sei das Risiko beim Aussteigen, erklärt Matthias Gerards: „Ich habe schon zwei Leuten aufgeholfen, die beim Versuch, mit einem Rollator aus dem Bus auszusteigen, gestürzt sind.“


Gefährliche Stolperfalle


Schon die Stufe aus dem Bus heraus sei schwierig zu überwinden, aber insbesondere mit einem Rollator würde sich unmittelbar darauf die Bordsteinkante als zusätzliche Stolperfalle erweisen. Maria Rösseler weist auf eine weitere Schwierigkeit hin: „Der Unterstand kann bei Regen oder starkem Wind genutzt werden, aber er ist sehr weit vom Einstieg in den Bus entfernt. Wegen der Kurve kann man den Bus erst spät sehen und sich in Richtung Einstieg in Bewegung setzen.“ Gerade ältere Menschen würden längere Zeit benötigen um einzusteigen und seien auf die Geduld des Busfahrers angewiesen. „Oder müssen dem Bus beim Wegfahren zuschauen“, ergänzt Gerards.


Fördermittel bereit


Auch die gegenüberliegende Haltestelle am Büsbacher Markt bereite den Senioren Schwierigkeiten, sagt Rösseler: „Ein ebenes Einsteigen in den Bus ist auch dort nicht möglich, und einen Unterstand gibt es gar nicht, obwohl auf dem Bürgersteig Platz dafür wäre.“ Gerards, Rösseler und einige anderen Senioren haben die CDU-Ratsvertreter Siegfried Pietz, Fritz Thiermann und Michael Thomas um Hilfe gebeten, damit sie ohne Gefährdung am öffentlichen Personennahverkehr teilnehmen können.


Das Besondere an den nicht barrierefreien Haltestellen ist, dass sie eigentlich ertüchtigt werden könnten beziehungsweise sogar schon in einem seniorengerechten und sicheren Zustand sein könnten. Denn: Der Zweckverband Nahverkehr Rheinland fördert die Ertüchtigung von mehreren Bushaltestellen in der Kupferstadt.


Ohne dass der städtische Haushalt dadurch belastet würde, sollten auch die beiden an der Konrad-Adenauer-Straße befindlichen Haltestellen „Büsbach Markt“ davon profitieren und von veralteten Busbuchten zu Buskaps, also Haltestellen auf der Straße mit erhöhtem Einsteigekomfort, umgebaut werden.


Doch die Interessengemeinschaft (IG) Büsbach wartet immer noch auf eine detaillierte Ausbauplanung zur Umgestaltung der Ortsmitte, die aus einer Planungswerkstatt von Büsbacher Bürgern resultiert (siehe Infokasten), und für die bisher die Mittel nicht bereitgestellt sind. Stolberger Stadtverwaltung und IG Büsbach stimmten sich ab, dass die Bushaltestellen nicht umgebaut werden, solange diese Maßnahmen nicht in das konkrete, seniorengerechte – und noch nicht vorhandene – Dorfentwicklungskonzept eingebettet werden können. „Mein Appell an die Stolberger Politik ist, die detaillierte Planung für die Umgestaltung des Ortskerns zeitnah möglich zu machen“, betont der IG-Vorsitzende Georg Blatzheim, das Gesamtkonzept nicht aus den Augen verlieren zu wollen.


Gleichsam räumt er ein: „Darüber, ob wir solange warten sollen, bis die konkrete Planung steht, und in der Zwischenzeit bauliche Maßnahmen im Planungsbereich ablehnen sollen, gibt es innerhalb der IG noch keine einheitliche Meinung.“ Während manche IG-Mitglieder darauf beharren würden, dass es zuerst die Ausbauplanung vorliegen müsse, würden andere auf den bereits vorhandenen Vorentwurf verweisen, der als Grundlage für bauliche Maßnahmen dienen könne.


Und insbesondere die Bushaltestelle Büsbach Markt in Richtung Kirche sei ein schwieriges Thema, erläutert Blatzheim: „Es kommt noch hinzu, dass es den Plan gibt, die Haltestelle zum Markt hin zu verlegen. Dann würden die Busse in der Kurve auf der Straße halten. Dass aber dort, wo Bischofstraße und Wilhelmbusch die Konrad-Adenauer-Straße queren, Busse in einer Kurve und auf der Straße halten sollen, scheint vielen IG-Mitgliedern nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein.“


Blatzheim bemühe sich, kurzfristig einen Konsens innerhalb der IG herzustellen. „Diesen würden wir dann gerne den Büsbachern bei einer Bürgerversammlung vorstellen und ihn mit ihnen diskutieren.“ Für die Senioren um Rösseler und Gerards ist die Diskussion überflüssig. Sie wollen sicher den Nahverkehr nutzen können. Und sie erhalten Unterstützung. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass notwendige Verbesserungen in Büsbach umgesetzt werden. Zumal wenn sie wie im Falle der Bushaltestellen für die Stadt kostenneutral sind“, versprechen die CDU-Ratsherren Thomas, Thiermann und Pietz einhellig.


Ihr SPD-Ratskollege und Vorsitzender des zuständigen Ortsvereins der Sozialdemokraten äußert sich ebenso: „Die SPD tritt dafür ein, die Bushaltestellen ertüchtigen zu lassen. Wir sind für die Umgestaltung der Büsbacher Ortsmitte nach einem einheitlichen Gesamtkonzept, aber ein derart langfristig angelegtes Projekt darf keine Maßnahmen verhindern, die zum Wohle der Bürger sind und deren Sicherheit dienen“, erklärt Heinrich Offermann.

Die Koalitionspolitiker verweisen unisono darauf, dass auch bei bestehender Ausbauplanung die sukzessive Realisierung der Umgestaltung immer wieder an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden müsse. Wie im Falle der anstehenden Sanierung der Galmeistraße. Ein anderes Beispiel sei die im Vorentwurf des „neuen Büsbacher Marktplatzes“ berücksichtigte Außengastronomie eines Cafés, das nun aber den Standort wechsele, was die ursprüngliche Planung in diesem Punkt hinfällig mache.


Klare Worte zu der Problematik der noch fehlenden konkreten Ausbauplanung für den Ortskern findet Georg Braun, Vorsitzender des Büsbacher Aktionsrings Handel, Handwerk und Gewerbe: „Man kann ja gerne an Utopia glauben, aber wir können doch nicht ewig auf die Erfüllung dieses Wunschtraums warten und bis dahin in Stillstand verfallen.“ Kleine Verbesserungen für die Menschen in Büsbach seien immer noch besser als gar keine.


Aus Sicht der Gewerbetreibenden sollten die Bushaltestellen am Markt jetzt ertüchtigt werden und nicht „irgendwann“, meint Braun: „Das Geld dafür steht bereit, und uns ist wichtig, dass auch ältere Menschen mit dem Bus sicher die Büsbacher Geschäfte erreichen können. Außerdem wird die alte Busspur besonders vor der Post schon jetzt oft als Parkplatz genutzt. Es ist sinnvoll, wenn dort künftig mehrere ,echte‘ Parkplätze entstehen.“


Der lange Weg in Büsbachs Zukunft


Als Büsbach 2008 erstmals an dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teilnahm, erreichte der Stadtteil den 2. Platz auf Städteregionsebene und gewann eine professionell moderierte Planungswerkstatt. Drei unabhängig voneinander arbeitende Gruppen kamen dabei zu identischen Ergebnissen, wie die Büsbacher Ortsmitte um Bürgerhaus und Markt generationengerecht und attraktiv umgestaltet werden soll. Seitdem warnt die IG Büsbach davor, dieses Gesamtkonzept mit Provisorien zu untergraben.


2014 nahm Büsbach zum zweiten Mal an dem Dorfwettbewerb teil, belegte wieder den 2. Platz, und im Rahmen einer Bürgerversammlung wurde ein Vorentwurf des umgestalteten Ortskerns vorgestellt. Die konkrete und detaillierte Ausbauplanung hätte mit einer EU-Förderung finanziert werden können, doch die Bewerbung des „Aachener Reviers“ als Leader-Region scheiterte, Fördergelder flossen nicht, und Büsbach hat immer noch keine Ausbauplanung zur Umgestaltung des Zentrums.


Quelle: Stolberger Nachrichten / Zeitung