Burggeflüster: Sturm und Drang

Die Entwicklung der Kupferstadt ist auf dem Weg

Bedecke deinen Himmel, Zeus, mit Wolkendunst, und übe, dem Knaben gleich, der Disteln köpft, an Eichen dich und Bergeshöhn...: An den „Prometheus“ des Johann Wolfgang von Goethe erinnert fühlt man sich gleich, wenn man den Stolberger Jusos zuhört. Der vermeintliche Lobgesang an die Götter ist von Kritik und Spott durchdrungen. Nachdem am Aschermittwoch des Vorjahres der Bürgermeisterkandidat noch als „Kennedy vom Vichtbach“ tituliert wurde, wandelt Tim Grüttemeier nun bereits wie Jesus übers Wasser. Da darf man gespannt sein, welche Steigerung den jungen Genossen dem politischen Gegner im kommenden Jahr zuweisen.

 

Zumindest scheinen die Jusos sich als wahre und außerparlamentarische Opposition zu verstehen, so ungestüm hauen sie auf ihre Mutterpartei und deren christdemokratischen Koalitionspartner ein. Dabei sind zwei der zentralen Forderungen im Grunde schon auf den Weg gebracht. Die Mühle ist ebenso Bestandteil des Entwicklungskonzeptes für die Innenstadt wie der Steinweg. Und zumindest für dessen nördliches Ende haben Genossen, Parteifreunde und Bürgermeister in den vergangenen neun Monaten mehr auf den Weg gebracht, als in der vorangegangenen Dekade angedacht wurde. Mit den Investitionen in die drohende Victor-Brache und in die Aufwertung der Drummen-Ecke werden am Kaiserplatz deutliche Akzente zu einer Neuausrichtung in der Innenstadt gesetzt.

 

Beim Sturm und Drang der jungen Sozialisten ist es sicherlich verständlich, dass sie lieber heute als morgen eine Erweiterung der Gesamtschule erleben möchten. Doch bei all den ungestümen Idealen, am liebsten alles sofort umgesetzt zu wissen, wird die Weitsicht und die Sorge um ihr eigenes Altern vermisst. Immerhin lag noch zum Jahreswechsel die Verschuldung der Kupferstadt bei 190 553 239,60 Euro, und das ist eine Last, die trotz sinkender Tendenz auch der politische Nachwuchs noch zu schultern haben wird. Angesichts dieser Zahl wäre es auch einmal schön zu hören, wie die Enkel-Generationen von den Bürden der Vergangenheit entlastet werden könnten.

 

Immerhin stellt sich die große Koalition dieser Aufgabe ebenso wie dem Eröffnen von neuen Perspektiven für die Kupferstadt. Auch wenn viele Dinge noch nicht sichtbar, andere noch nicht spruchreif sind, so ist doch wieder Bewegung und Aufschwung in die Entwicklung Stolbergs gekommen. Investoren melden ihr Interesse an, auch an bislang schwierig vermarktbaren Ecken im Stadtgebiet neue Akzente setzen zu wollen. Die Entwicklung der Innenstadt, die Förderung des wirtschaftlichen Lebens, der Ausbau des Angebotes von Bildung, Betreuung, Sport, Kultur und Tourismus ist ein Geschäft, das wohl überlegt sein will und seine Zeit braucht. Gleichzeitig muss die Verschuldung der Stadt abgebaut werden, um Handlungsspielraum für kommende Generationen zu gewinnen, damit auch sie Zukunft gestalten können.

 

Wie sagte es Friedrich Schiller so schön in seiner „Glocke“: „Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß, soll das Werk den Meister loben; doch der Segen kommt von oben“ – ömme?!

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten