Die Stolberger Tafel braucht unsere Unterstützung

Bürgermeister sitzt am Donnerstag an der Kasse. Seine Einnahmen gehen an den Verein. Suche nach neuem Domizil und Helfern.

 


Packen bei der Stolberger Tafel mit an, wo es nur geht: Franz-Josef Loch, Gerti Fischer, Regina Becker, Wilma Gier und Elke Dupont (v.l.) bei der Vorbereitung der Warenausgabe im Laden an der Eschweilerstraße. Foto: J. Lange 

Stolberg. Von der Aktion am Donnerstag erhoffen sich Wilma Gier und Valentin Schmitz mehr als nur Geld für die Stolberger Tafel. Ein wenig mehr Aufmerksamkeit für die Arbeit der rund 100 ehrenamtlichen Helfer, die gut 1600 Stolberger mit grundlegenden Nahrungsmitteln versorgen, wird gerne gewünscht. Nach mehr aber ist die Tafel auf der Suche nach weiteren Unterstützern ihrer Arbeit.

Erst einmal wird der Bürgermeister aktiv. Zur Eröffnung der ersten Filiale der Drogeriemarktkette „dm“ in Stolberg übernimmt er eine Aufgabe, die sich in barer Münze auszahlen soll. Am Donnerstag, 2. Oktober, sitzt Dr. Tim Grüttemeier von 11 bis 12 Uhr an der Kasse des neuen Marktes auf dem Kistenplatz an der Eisenbahnstraße in Atsch – und zieht die Waren der Kunden über den Scanner. Die Motivation beim Stadtoberhaupt ist groß, denn die gesamte Einnahmen aus seiner Kassierstunde spendet das dm-Team an die Stolberger Tafel. „Als mich die Anfrage von ,dm‘ erreichte, habe ich nicht lange überlegt“, sagt Dr. Grüttemeier. „Eine wirklich tolle Idee“. Zumal die Kette den Betrag auch großzügig aufrunden wolle.

Schüler könnten einspringen

Bei der stellvertretenden Tafel-Vorsitzenden ist die Idee ebenfalls sofort auf offene Ohren gestoßen. Nicht nur weil sie jeden Cent für die Versorgung ihrer Kunden gut brauchen kann, sondern weil Wilma Gier im Jubiläumsjahr des Vereins auch eine Reihe von Sorgen drücken. Seit einem Jahr läuft vergeblich die Suche nach einem neuen Vorsitzenden, nachdem Kurt Herpertz sein Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt hatte. Seitdem für Gier den Verein kommissarisch zusätzlich zu ihren übrigen Aufgaben.

Noch nicht von Erfolg gekrönt ist ihre Suche nach einem neuen Domizil für die Stolberger Tafel. Das seit 1999 an der unteren Eschweilerstraße bestehende Ladenlokal entspricht absehbar nicht mehr den Ansprüchen für den Umgang mit sensiblen Lebensmitteln bei einer kontinuierlich steigenden Kundschaft. Umgeschaut haben sich die beiden ehrenamtlichen Helfer der Tafel schon seit längerem. Bislang vergebens. Entweder wollten Vermieter einen Anbieter wie die Tafel nicht in ihren Immobilien wissen, andere Objekte lagen zu abgelegen in Außenbezirken oder sie waren schlichtweg zu klein oder zu teuer. Für die Tafel ist das eine Zukunftsfrage, bei der auch der Bürgermeister Augen und Ohren offenhalten möchte.

Nicht die erwünschte Resonanz gefunden haben bislang auch die Versuche, jüngeren Nachwuchs für die ehrenamtlichen Helfer zu finden. Von 99 ehrenamtlichen Tafelmitarbeitern sind, laut der Statistik vom Dezember 2013, 20 Ehrenamtler unter 60 Jahre alt, 32 im Alter zwischen 60 und 70 Jahre, 47 über 70 Jahre alt. „Wenn nun innerhalb weniger Jahre mehrere Personen aus Alters-, Kraft- oder anderen Gründen ihr Amt niederlegen, dann entsteht in kürzester Zeit eine Lücke, die nur schwer gefüllt werden kann“, befürchtet Gier. Die Bitten an weiterführende Schulen in der Kupferstadt, ihre Schüler für das Thema zu sensibilisieren, waren bislang kaum von Erfolg gekrönt. „Es wäre schon eine große Hilfe, wenn wir stundenweise Unterstützung bekämen“, blicken Gier und Schmitz beispielsweise auf Sonderaktionen von Verbrauchermärkten oder Weihnachtsaktivitäten zugunsten der Tafel, die betreut werden könnten, oder auch auf kurzzeitige Unterstützung im Rahmen der Warenausgabe.

Tag der offenen Tür

Eine rühmliche Ausnahme bilde Nathalie Werner, erzählt Schmitz. Seit einer Schulpartnerschaft bei der Weihnachtskisten-Aktion vor einigen Jahren engagiert sich die heute 23 Jahre alte Studentin regelmäßig bei der Tafel. „Jetzt hilft sie einmal in der Woche aus“, freuen sich Schmitz und Gier und hoffen auf weitere jugendliche Nachahmer wie auch auf jung gebliebene Rentner, die mit anpacken.

Diese lassen sich vielleicht auch im Rahmen des Tages der offenen Tür gewinnen, zu dem die Tafel aus Anlass ihres 15-jährigen Bestehens für Samstag, 25. Oktober, einlädt. Dann sorgen nicht nur Carlos Cachafeiro und Max der Clown, Kinderschminken und eine Leseecke sowie mit Unterstützung des DRK für Unterhaltung und Kurzweil, sondern dann wird auch ein Einblick in die alltägliche Arbeit der Tafel geboten, dann sollen auch Kunden, Sponsoren und Unterstützer, Helfer und Interessenten miteinander ins Gespräch kommen. „Wir erhoffen uns ein gesundes Miteinander“, sagt Wilma Gier. Und vielleicht einige Impulse, die ihre Sorgen rund um die Tafel mindern könnten.

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