Wir liegen gut im Rennen, jetzt müssen die Gewerbeflächen strukturiert angegangen werden

Stolberg unter den Top 10 in der Region

 






Ausgeschöpft: Das mit 37,8 Hektar größte Gewerbegebiet in der Steinfurt biete keine Reserven mehr mit Ausnahme von kurzfristigen Leerständen. Die einzige sofort nutzbare Flächenreserve der Kupferstadt bietet das Gewerbegebiet Camp Astrid.Foto: J. Lange 

Stolberg. Allen Unkenrufen zum Trotz: Die Kupferstadt hat es unter die Top-10 der Kommunen mit den größten gewerblichen Flächenveräußerungen in der Region im vergangenen Jahr gebracht. Das geht aus dem Gewerbeflächenmonitoring hervor, das die Agit (Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer) jetzt vorgelegt hat. Dies beruht auf Grundstücksveräußerungen an zwei mittelständische Unternehmen im Gewerbegebiet Camp Astrid mit insgesamt 1,07 Hektar.

Angeführt wird die Liste, die die Kreise Euskirchen, Düren, Heinsberg und die Städteregion umfasst, mit deutlichem Abstand von der Stadt Aachen (12,27 Hektar), Zülpich (2,51) und Würselen (2,36). Eschweiler rangiert mit 1,9 Hektar aus zwei Grundstücksverkäufen auf Platz sechs.

Brachen für Gewerbe aktivieren

Nicht in dieser Bilanz für Stolberg berücksichtigt sind die 6,6 Hektar, die ein Jahr zuvor für die Nutzung der Sonnenenergie an die Photon Power AG sowie die 2,46 Hektar für großflächigen Einzelhandel auf dem Kistenplatz von Saint-Gobain, die im mittelfristigen Monitoring ebenfalls regionale Spitzenpositionen aufweisen.

Mittlerweile sind zwei weitere Grundstücke mit 3600 bzw. 2300 Quadratmetern in Stolbergs größtem Gewerbegebiet vermarktet.

So leer Camp Astrid derzeit auch wirken mag, mit einer sofort verfügbaren Fläche von 12,1 Hektar sowie weiteren 4,4 Hektar, die mit einer Bauleitplanung innerhalb von zwei Jahren bereitstehen können, reicht es bei weitem nicht in die Top 10 der Flächenreserven zur Gewerbeansiedlung in der Region. Euskirchen (61,2 Hektar), Aachen (41,4) und Hückelhoven (35,9) bieten das meiste Potenzial; Eschweiler kommt mit 22,6 Hektar auf Platz sechs, Baesweiler mit 15,8 Hektar auf Platz neun. Simmerath (15), Alsdorf (14) liegen mit Würselen (11) auf Stolberger Niveau. Auch an den übrigen größeren Gewerbestandorten in der Kupferstadt sind Reserveflächen Mangelware. Das 37,8 Hektar große Gewerbegebiet Steinfurt ist ausgeschöpft; lediglich einzelne Grundstücke sind gelegentlich verfügbar, so aktuell rund 16 000 m2 der früheren Praktiker-Niederlassung.

Allerdings verfügt Stolberg über ein größeres Potenzial an Gewerbeflächen, die aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen noch nutzbar gemacht werden können. Die Bewerbung beim „Flächenpool NRW“ soll diese Reserven aktivieren helfen. Nach ersten Vorgesprächen über acht große Sorgenkinder mit dem Land werden drei Brachen in den Fokus gerückt. Verzichtet wurde dabei auf Grundstücke, die in der Hand eines einzigen Eigentümers liegen, erklärte Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt.

Ein zentraler Bereich der Bewerbung ist dabei das Umfeld des Hauptbahnhofes mit der Feuerfeste Peters, den Erweiterungsflächen von Saint-Gobain und die umliegenden Gewerbegrundstücke bis zur BSR-Recycling. Gut 20 Hektar umfasst die größte Industriebrache im Stadtgebiet zwischen Inde, Münsterbach- und Probsteistraße.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Standort Münsterbusch beiderseits der Cockerillstraße. Sowohl das 12 Hektar große, nur teilweise durch Gewerbe genutzte Gelände des Gewerbeparks Münsterbusch wie auch das vier Hektar umfassende Zincoli-Areal, dessen Nutzung als Einzelhandelsstandort infrage steht, und die 0,8 Hektar umfassenden Flächen des nicht mehr genutzten Tenniszentrums sollen in den Flächenpool eingebracht werden.

Ein weiterer Komplex ist die Ruine der Kartonagefabrik Hoyer sowie des derzeitigen Baumarktes an der Mauerstraße mit fast einem Hektar.

Mit der Beteiligung am Flächenpool strebt Bürgermeister Tim Grüttemeier ein Verfahren an, das auf eine Reaktivierung im Konsens zwischen Stadt und Eigentümern abziele. Eine fachliche und neutrale Moderation durch das Land soll dabei in einer ersten Findungsphase zwischen den unterschiedlichen Interessen vermitteln und Aktivierungschancen nebst deren Kosten ausloten. In weiteren Phasen sollen konkrete Projekte entwickelt und ihre Umsetzung angelassen werden.

Heute Auftaktveranstaltung im Zinkhütter Hof

 

„Arbeitsplätze und Wirtschaftsförderung müssen das zentrale Thema in dieser Stadt sein“, hatte die große Koalition vor dem Wahlkampf postuliert und einen „Dialog mit der Wirtschaft“ angekündigt.

Den Auftakt dazu macht heute um 19 Uhr im Zinkhütter Hof die Auftaktveranstaltung „Stolberg – ein Industriestandort im Wandel“, zu der Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier den Rektor der Aachener Fachhochschule, Prof. Dr. Marcus Baumann (Bild), als Impulsgeber gewinnen konnte. „Die FH Aachen und Stolberg: Gemeinsame Wege für Perspektiven in Wirtschaft und Innovation“ hat Baumann seine Ausführungen überschrieben: „Wir verstehen uns als Hochschule der Region. Gerade in der Zusammenarbeit mit kleinen und mittelständischen Unternehmen in Industrie und Handwerk können unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr praxisorientiertes Wissen disziplinübergreifend einbringen“, erklärt der Rektor. Die von der Musikschule Merz umrahmte Veranstaltung soll gegen 20 Uhr in ein Kennenlernen und einen Meinungsaustausch münden. Gäste sind willkommen.