Die Zeichen stehen auf Zusammenschluss


Bevor Georg Hermanns Schulleiter in Stolberg wurde, war er als Lehrer in der Willi-Fährmann-Schule tätig. Ihm sind deshalb beide Einrichtungen bestens bekannt. Foto: J. Röhseler 

Stolberg. An dem Zusammenschluss der Förderschule Stolberg und der Willi-Fährmann-Schule in Eschweiler führt offenbar kein Weg mehr vorbei. Angesichts der Tatsache, dass beide Einrichtungen die erforderliche Mindestschülerzahl von 144 mit aktuell 117 bzw. 122 inzwischen deutlich unterschreiten, plädiert die Stolberger Verwaltung im Vorfeld der Schulausschuss-Sitzung am kommenden Mittwoch erstmals offen für eine Verschmelzung.

Mit ihr soll über das laufende Schuljahr hinaus ein wohnortnahes Angebot in den drei Schwerpunkten Sprache, Lernen und emotionale und soziale Entwicklung sichergestellt werden. Eine Alternative sieht Bürgermeister Tim Grüttemeier mit Blick auf die Landesgesetzgebung nicht: „Wenn die Mindestschülerzahl unterschritten wird, müssen die Verbundschulen ab dem kommenden Sommer auslaufen und dann geschlossen werden.“

Genau das aber soll verhindert werden, weshalb die beiden Städte in den vergangenen Monaten zahlreiche Gespräche geführt und auch den engen Kontakt mit der Bezirksregierung gesucht haben. Den gemeinsamen Bemühungen liegt eine Empfehlung der Konferenz der Schuldezernenten in der Städteregion Aachen zu Grunde, die sich bereits Anfang des Jahres für eine Kooperation der Kupfer- und der Indestadt ausgesprochen hatte – unter Berücksichtigung der Planungen in der Eifel, wo die Kommunen mittlerweile die Bildung eines schulischen Lernortes und somit eine von Stolberg unabhängige Lösung favorisieren.

Auch die Stadt Stolberg hat sich – in Absprache mit den Kollegen in Eschweiler – festgelegt. Demnach soll eine der beiden betroffenen Schulen aufgelöst werden, die verbleibende hingegen wird um einen Teilstandort in der Nachbarstadt erweitert. Die Frage, welche Schule es „treffen“ und welche weiterbestehen wird, ist noch nicht beantwortet. Dazu gebe es, erklärte Schulverwaltungsamtsleiterin Petra Jansen auf Anfrage, einen umfangreichen Kriterienkatalog, den es zu berücksichtigen gelte. Zu den wesentlichen Aspekten gehören die Schülerzahlen und der Zustand der Schulgebäude.

Zu klären ist auch noch, wer in Zukunft der Schulträger sein wird. Die gemeinsame Übernahme dieser Aufgabe durch die Gründung eines Zweckverbandes wird laut Tim Grüttemeier von beiden Verwaltungen kritisch gesehen. Befürwortet werde stattdessen der Abschluss einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung. Sie sieht vor, dass nur eine Stadt die Trägerschaft übernimmt und die andere sich an den Kosten beteiligt.

Die Weichen sind also grundsätzlich gestellt. Daran dürfte auch eine Stellungnahme der Stolberger Schulleitung nichts ändern, die sich „aus pädagogischen und schulorganisatorischen Gründen“ für die Fokussierung auf einen Schulstandort ausgesprochen hat. „Diese bietet mit Blick auf die täglichen Erfordernisse der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit einem besonders hohen sonderpädagogischen Förderbedarf die deutlich besseren Grundvoraussetzungen“, stellen Schulleiter Georg Hermanns und Konrektor Ralf Gillet fest.

Fachliche Aspekte

„Es geht uns um rein fachliche Aspekte“, betonte Hermanns gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die Nachteile würden sich eher auf Verwaltungsebene bemerkbar machen. Ich weiß, dass die Chance auf sonderpädagogische Förderung vor Ort in diesem Fall in einer Stadt verloren gehen würde. Doch aus meiner Sicht wiegen die fachlichen Aspekte schwerer.“ Sein Eschweiler Kollege Karlmartin Eßer teilt diese Meinung nicht. „Ich bin für den Erhalt von zwei Standorten. Ich kann die Gegenargumente nachvollziehen, halte sie aber nicht für ausreichend.“ In der Region gebe es mehrere Beispiele, die zeigten, dass die Arbeit an zwei Standorten gut funktionieren könne.

„Aber natürlich braucht man eine gewisse Zeit, um die unterschiedlichen Entwicklungen an den beiden Schulen trotz der schon seit langem guten Zusammenarbeit anzugleichen“, erklärt Eßer. In der Fusion sieht er im Übrigen nur eine Lösung für wenige Jahre. „Nach meinen Berechnungen werden wir auch im Falle eines Zusammenschlusses 2018 das Minimum von 144 Schülern nicht mehr erreichen. Dann wird es einen erneuten Systemwechsel geben müssen.“

Schülerzahlen sind seit Jahren rückläufig

 

 

Die Schülerzahlen an der Förderschule Stolberg sind seit Jahren rückläufig. Nach Angaben der Stadt Stolberg zählte die Einrichtung 2007 – damals noch mit den zwei Schwerpunkten Lernen und emotionale und soziale Entwicklung – 191 Schüler. Vier Jahre später, nach Hinzunahme des Förderschwerpunkts Sprache, waren es noch 149.

Derzeit werden an der Talstraße 117 Kinder und Jugendliche unterrichtet. Die Zahl erhöht sich erfahrungsgemäß im Laufe des Schuljahrs noch etwas.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0