Die Kupferstadt setzt nun auf flotte Glaskabel - Breitbandausbau auf den Weg gebracht!

 

Das schnelle Internet soll nun kommen: Nach den Sommerferien werden die Bürger befragt, im Januar soll der Stadtrat die ersten Aufträge zum Netzausbau vergeben.
Das schnelle Internet soll nun kommen: Nach den Sommerferien werden die Bürger befragt, im Januar soll der Stadtrat die ersten Aufträge zum Netzausbau vergeben.

Internet soll zügig schnell werden. Netzbetreiber sind angeschrieben. Nach den Sommerferien werden die Bürger befragt. Stadtrat entscheidet im Januar. Nun soll alles zügig gehen mit dem schnellen Internet in der Kupferstadt. Im Januar 2015 möchte der Stadtrat die ersten Aufträge für den Ausbau des Breitbandnetzes erteilen, kündigt Bürgermeister Tim Grüttemeier an. Bis dahin müssen jedoch noch eine Menge an Schritten im Laufe eines komplizierten Verfahrens gegangen werden, in dessen Rahmen die Bürger nach den Sommerferien gefordert sind, über ihre Erfahrungen mit dem bestehenden Angebot und ihren Bedarf zu berichten.

 

Basis dazu ist die Machbarkeitsstudie, zu der der alte Stadtrat noch im Mai den Auftrag erteilt hatte. „Vor allem in den ländlichen Bereichen besteht ein zu geringes Nachfragepotenzial für die Netzbetreiber, um einen Ausbau des Angebotes wirtschaftlich betreiben zu können“, erklärt Helmut Frauenkron von der Kölner fnk-Consult, der gemeinsam mit Frank Gilles und Detlef Werry vom Wirtschaftsförderungsamt dem Breitband in Stolberg auf die Sprünge helfen möchte. Grundlage dabei ist das Förderprogramm des Landes, das in unterversorgten Bereichen helfen soll, die Lücken zur Wirtschaftlichkeit für einen Anbieter und die Stadt zu minimieren.

Pro Projekt sind 75 bis 90 Prozent Zuschüsse, maximal jedoch 180 000 Euro, möglich, erläutert Frauenkron. Beim Beispiel Zweifall, für das die Telekom den Ausbau auf 700 000 Euro über den Daumen gepeilt beziffert hatte, verbliebe ein städtischer Anteil von 250 000 bis 300 000 Euro, verdeutlichte Grüttemeier. „Angesichts der Haushaltslage werden wir natürlich nicht die komplette Stadt auf einen Schlag mit schnellem Internet versorgen können“, erklärt der Bürgermeister, „sondern müssen abschnittsweise vorgehen“. Der Stadtrat wird dazu eine Prioritätenliste beschließen müssen.

 

Dazu müssen die unterversorgten Stadtbereiche ermittelt werden. Diese werden in den aktuellen Förderrichtlinien mit einem Download von 2 MBit/sec beziffert. „Die sind sechs Jahre alt und entsprechen längst nicht mehr heutigen Anforderungen“, so Frauenkron, „wir müssen uns jedoch an diesen Daten orientieren.“ Aber die Erfahrung lehre, dass die Netzanbieter bei einem Ausbau auch dem aktuellen Stand der Technik folgen würden. Bis dato hat der Diplom-Ingenieur die aktuelle Netzabdeckung im Stadtgebiet ebenso analysiert wie erkundet wurde, wo Leerrohre und Leitungstrassen bereits vorhanden sind, die bei einem Ausbau genutzt werden könnten. „Das würde die Kosten reduzieren“, so Werry. Nun geht es darum, Lösungsmöglichkeiten auszuarbeiten, um Zuschüsse des Landes akquirieren zu können.

 

Dazu ist zunächst eine Markterkundung erforderlich. „Wir haben bereits alle Netzbetreiber angeschrieben“, sagt Gilles. Sie müssen erklären, ob und wo sie in Stolberg innerhalb der nächsten drei Jahre aus eigenem Antrieb ohne öffentliche Zuschüsse planen, eine Netzabdeckung für alle Haushalte mit mindestens 2 MBit/s sicherzustellen. „Zur Erreichung der von der Bundesregierung definierten Zielsetzung, eine flächendeckende Breitbandversorgung mit Übertragungsraten von mindestens 50 MBit/s sicherzustellen, sind höhere Übertragungsraten ausdrücklich erwünscht“, heißt es in dem Schreiben des Verwaltungschefs. Bis zum 18. August werden die Antworten der Netzbetreiber im Rathaus erwartet.

 

Jetzt, nach den Sommerferien, kommen die Bürger ins Spiel. In Form einer Bürgerbefragung erfolgt eine Bedarfserhebung in Ortschaften und in Gewerbegebieten, erläutert Detlef Werry. Auszubildende und Anwärter der Verwaltung sowie Ratsmitglieder werden Fragebögen den Haushalten zustellen, auf der städtischen Internetseite wird er ebenso zum Download bereitstehen wie über Facebook. Auch die Gruppe um den Zweifaller Thomas Rissmeyer, die vor einigen Wochen das Thema in der Kupferstadt forciert hatte, wird sich mit ihren Erfahrungen, Vorstellungen und Wünschen einbringen.

 

Sieben Stadtteile und Gewerbe

Bei der Datenerhebung geht es neben der Art des Anschlusses nicht nur um die Werte, die „auf dem Papier“ den Haushalten zur Verfügung stehen, sondern vor allem auch um die praktischen Erfahrungen. Wie hoch sind die tatsächlichen Download-Geschwindigkeiten, wie sicher und stabil ist der Netzanschluss, wie zufrieden sind die Kunden mit ihm und welche Übertragungsgeschwindigkeiten sind gewünscht oder benötigt?

Dabei richtet sich der Blick der Stadt zunächst in erster Linie auf sieben Stadtbereiche, die anhand der bekannten Daten den Förderkriterien des Landes entsprechen: Vicht/Breinigerberg, Zweifall, Schevenhütte, Büsbach, Dorff, Venwegen und Werth. Außerdem werden konkret die Gewerbebereiche Camp Astrid, Steinfurt, Mausbach, die Gewerbeparks Hamm-Mühle und Münsterbusch sowie das Areal Würselener-/Hasencleverstraße einbezogen. Sechs Wochen sind für diese Ermittlung des Bedarfs terminiert. Dann folgen die Auswertung und der Abgleich mit den Informationen der Netzanbieter sowie die Konzeptionierung – insbesondere für die Bereiche mit mangelhafter Netzabdeckung bei gleichzeitig hohem Bedarf. Es bestehen unterschiedliche Ansätze zur Lösung.

Als Königsweg gilt ein Glasfaseranschluss für jeden Nutzer, was aber als kaum finanzierbar gilt, hatte Carsten Pütz von der Breitband-Consulting NRW jüngst im Stadtrat erklärt. Alternativen sind Glasfaserleitungen nur bis zu definierten Verteilungspunkten, und von dort mit konventionellen Verbindungen zunächst weiter zu arbeiten.

 

Eingebunden werden in ein solches Konzept für das Stadtgebiet könnten auch Lösungen über Koaxialkabel, wie sie der Kabelfernsehnetzbetreiber anbietet, sowie über LTE-Empfang, Richtfunk oder für Spezialfälle sogar Satellitenempfang zu Verteilerstationen, die dann Haushalte und Unternehmen versorgen könnten.

Jedenfalls soll Anfang Oktober die Ausschreibung zum Netzausbau in Stolberg veröffentlicht werden; sie läuft über acht Wochen. Anfang Dezember werden die Angebote im Rathaus erwartet. „Erst danach werden wir auch etwas über die Kosten und Konzepte sagen sowie den Förderantrag beim Land einreichen können“, erläutert Tim Grüttemeier.

 

Politik muss Prioritäten setzen

Erst dann wird man sich auch Gedanken machen können, wo zuerst mit dem Ausbau des Breitbandnetzes begonnen werden soll. „Die Verwaltung wird dem im Januar tagenden Stadtrat eine Vergabeentscheidung unterbreiten“, kündigt der Bürgermeister an. Die Setzung der Prioritäten sei dann eine politische Entscheidung.

„Je nach Dimension werden wir wohl ein bis zwei Projekte pro Jahr anpacken können“, kalkuliert der Bürgermeister vorsichtig. „In meinem Entwurf für den Haushalt 2015 werden jedenfalls Mittel für den Breitband-Ausbau enthalten sein“, kann Grüttemeier Beträge noch nicht nennen. „Wir arbeiten noch an der Budget-Planung.“

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten