Ratskandidatin Sieven: "Intensiv vertraut gemacht mit Donnerberger Sorgen!"

 

Auf Augenhöhe auch mit dem Wähler von Morgen: Carolin Sieven stieg unerwartet zur Ratskandidatin der CDU auf dem Donnerberg für die kommende Kommunalwahl auf. Die angagierte Studentin hat sich viel vorgenommen. Foto: Stolberger Zeitung/Nachrichten
Auf Augenhöhe auch mit dem Wähler von Morgen: Carolin Sieven stieg unerwartet zur Ratskandidatin der CDU auf dem Donnerberg für die kommende Kommunalwahl auf. Die angagierte Studentin hat sich viel vorgenommen. Foto: Stolberger Zeitung/Nachrichten

Von der Jungen Union schnell auf die CDU-Liste. Carolin Sieven tritt als Direktkandidatin im Wahlbezirk 07 an. Die Generationengerechtigkeit liegt ihr am Herzen. Ratskanidatin Carolin Sieven im Interview mit der/den Stolberger Zeitung / Nachrichten über Ihre Chancen und Ziele, die Rolle des Internets und die kuriose Vorgeschichte ihrer Kandidatur.

 

Warum sind Sie der CDU beigetreten?

Sieven: Zunächst bin ich 2009 nur der Jungen Union (JU) beigetreten. CDU-Mitglied bin ich erst seit Ende 2013. Klassenkameraden haben mich damals dazu motiviert, mich der „JU“ anzuschließen. Hier geht es nicht nur um Politik. Das soziale Engagement und der Einsatz für die Jugend haben mich einfach überzeugt.

 

Sozial engagieren könnten Sie sich auch in anderen Organisationen. Warum ist die Wahl auf die Christdemokraten gefallen?

Sieven: Mir sagt die Position der CDU in Sachen „Schuldenabbau“ zu. Dafür hat sie sich schon immer stark gemacht. Andere Parteien stellen dieses zentrale Ziel weniger in den Vordergrund.

 

Würden Sie sich als konservativ bezeichnen?

Sieven: Ja, irgendwie schon. Ich bin dafür, Traditionen zu bewahren, aber gleichzeitig auch offen für Neues zu sein. Hier muss ein gesundes Mittelmaß gefunden werden.

 

Welches kommunalpolitische Themenfeld finden Sie am spannendsten?

Sieven: Jugendarbeit und Stadtentwicklung.

 

Können Sie da ein Beispiel nennen?

Sieven: Ich möchte erreichen, dass junge Menschen nicht für alles nach Aachen fahren müssen und ihnen in Stolberg eine Perspektive bieten. In der Gastronomie sehe ich Chancen. Eine Art „Pontstraße in klein“ wäre doch ein tolles Konzept für die Innenstadt. Das würde Stolberg auch interessanter für Studenten machen.

 

Ärgern Sie sich als Nachwuchspolitikerin manchmal über das politische Desinteresse Ihrer Generation?

Sieven: Die wenigsten Menschen lesen Wahlprogramme. Denn diese stellen meistens einen Informationsüberschuss dar. Deswegen müssen Politiker sich immer bemühen, Ihre Ziele anschaulich zu machen und dürfen nicht aufgeben, das Interesse junger Leute für politische Themen zu wecken.

 

Die „JU“ hat zuletzt eine Podiumsdiskussion mit verschiedenen Bürgermeisterkandidaten am Goethe-Gymnasium organisiert. Glauben Sie, dass diese Aktionen dabei helfen, junge Menschen für den Urnengang zu begeistern?

Sieven: Es gab viele Fragen, und wir haben ein positives Feedback erhalten. Ich denke, dass solche Podiumsdiskussionen eine gute Möglichkeit sind, mit Jugendlichen in Kontakt zu treten. Ob sie aber wirklich wählen gehen, steht auf einem anderen Blatt.

 

Welche Rolle spielt für Sie als junge Politikerin das Internet?

Sieven: Das Internet ist ein wichtiges Instrument, mit dem man viele Menschen erreichen kann. Facebook ist zum Beispiel ein gutes Medium, um vor allem mit jungen Wählern zu kommunizieren. Auch die interne Kommunikation in der Partei hat sich dadurch wesentlich vereinfacht.

 

Die „JU“ Stolberg verfasst nahezu täglich Beiträge bei Facebook. Dagegen wirkt ihre Homepage eher wenig aktuell. Seit dem dritten Quartal 2013 wurde kein Bericht mehr über neue Aktionen verfasst.

Sieven: Es stimmt, dass wir unsere Internetseite in den letzten Monaten ein wenig vernachlässigt haben. Das hängt aber auch damit zusammen, dass unser Internetauftritt momentan komplett neu gestaltet wird, was leider Zeit in Anspruch nimmt. Ich hoffe aber, dass die Seite bald wieder regelmäßig aktualisiert wird.

 

Sie sind von einer Koppelkandidatin zur Direktkandidatin aufgestiegen, weil ihr Vorgänger zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Wie haben Sie auf diese Nachricht reagiert?

Sieven: Ich war natürlich sehr überrascht und musste erst einmal darüber nachdenken, ob ich wirklich als Direktkandidatin antreten soll. Immerhin muss ich auch an meinen Abschluss im Studium denken. Aber schließlich habe ich mich dazu entschieden zu kandieren. Wann bekommt man schon mal die Möglichkeit, so jung in den Stadtrat einzuziehen? Und ich denke, es war die richtige Entscheidung und ich fühle mich bereit.

 

Befürchten Sie, dass diese Vorgeschichte negative Auswirkungen für ihr Wahlergebnis haben könnte?

Sieven: Ich glaube nicht, dass sich die Wähler von dieser Vorgeschichte beeinflussen lassen. Schließlich hat die Partei auch sofort reagiert und Konsequenzen aus der Verurteilung gezogen.

 

Bei den letzten Kommunal- und Landtagswahlen war „Donnerberg II“ eine sichere Bank für die SPD. Überholen konnte ihre Partei die Sozialdemokraten hingegen bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr. Wie bewerten Sie Ihre Chancen in diesem Wahlbezirk?

Sieven: Die Chancen stehen gut. Der Wechsel ist möglich. Wir haben uns die Wahlergebnisse angeschaut und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die SPD hier Stammwähler verloren hat.

 

Sie sind selber nicht auf dem Donnerberg, sondern auf der Mühle zu Hause. Könnten die Donnerberger Ihnen da nicht vorhalten, sie seien nicht nah genug dran an ihren Problemen?

Sieven: Ich bin viel auf dem Donnerberg. Mein Freund lebt dort. Außerdem habe ich mich intensiv mit dem Ortsteil auseinander gesetzt. Zum Beispiel bin ich zu Senioren-Treffs gegangen und habe mir dort angehört, welche Probleme es in meinem Wahlbezirk gibt.

 

Welche gibt es?

Sieven: Die Nahversorgung ist problematisch. Es gibt nur einen Becker und einen Blumenladen. Sollten diese einmal schließen, sieht es schlecht aus. Auch die Busverbindungen sind nicht optimal. Wenn man als alter Mensch in ein Seniorenheim umziehen muss, verlässt man seine vertraute Umgebung, da es auf dem Donnerberg keine Einrichtung dieser Art gibt. Generationengerechtigkeit ist mir wichtig.

 

Mussten Sie sich schon mal den Vorwurf gefallen lassen, eigentlich viel zu jung und unerfahrenen für die Stadtratskandidatur zu sein?

Sieven: Im Gegenteil. Ich habe viel positives Feedback bekommen, eben weil ich sehr jung und dazu noch eine Frau bin.

 

Was haben Sie sich für den Wahlkampf vorgenommen?

Sieven: Unter anderem möchte ich mit den Vereinen in Kontakt treten. Und natürlich werden wir mit Wahlplakaten und Ständen auf dem Donnerberg werben.

 

Gibt es für Sie eigentlich eine ernsthafte Alternative zu einer Fortführung der großen Koalition?

Sieven: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Wir wollen zunächst stärkste Partei werden. Dann werden wir sehen, welche Mehrheiten im Stadtrat möglich sind.

 

Aktuell wohnen und studieren Sie noch in Münster. Ließe sich das zeitlich überhaupt mit Ihrem Ratsmandat vereinbaren?

Sieven: Die Wahl findet Ende Mai statt. Einen Monat später werde ich mit meinem Studium in Münster fertig und komme dann wieder zurück. Das passt also perfekt.

 

Was kann Stolberg von Münster lernen?

Sieven: Eine Stadt wie Münster lässt sich eher mit Aachen vergleichen. Stolberg sollte sich mit Städten seiner eigenen Größenordnung messen. Eschweiler hat eine attraktivere Innenstadt, zum Beispiel die Gastronomie rund um den Marktplatz. Davon kann Stolberg lernen.

 

Quelle: Stolberger Zeitung