"Preis verändert die Kultur in Stolberg"

Die Kupferstadt würdigt erstmals sieben herausragende Ehrenamtler für ihr großes bürgerschaftliches Engagement.

Der Rahmen ist würdig, der Rittersaal sehr gut besucht. Peter Verhees gestaltet mit Kindern der Grundschule Gressenich und einem älteren Ensemble die Veranstaltung musikalisch, und die erste Verleihung des Stolberger Ehrenamtspreises lebt von vielen bewegenden Momenten – und von den Dankesreden der Preisträger, die teils auch humorvoll die rundum gelungene Veranstaltung auflockern. Im Wechsel verleihen die Ehrenamtsbeauftragte Hildegard Nießen und Bürgermeister Tim Grüttemeier die einzigartigen Medaillen, Urkunden und Ehrenamtskarten an Stolberger, die sich zum Teil seit Jahrzehnten ehrenamtlich für ihre Mitmenschen und ihre Stadt einsetzen. Der Bürgermeister bittet darum, den Ehrenamtspreis als Anerkennung und Wertschätzung für das gesamte bürgerschaftliche Engagement in unserer Gemeinschaft anzusehen, und sagt: „Mein Dank gehört Ihnen, die Sie Stolberg erst zu der Stadt machen, die sie ist: lebens- und liebenswert und zusammenstehend dazu.“


Nießen schließt Partner und Familien der Ehrenamtler in dieses Lob mit ein: „Dieses hervorragende Engagement kann nur geleistet werden, wenn das private Umfeld es nicht nur erträgt sondern auch mitträgt.“ Zu den Preisträgern, die ihre Dankesreden charmant und mit Humor gestalten, zählt Rudi Dreuw, der betont: „Ich habe über viele, viele Jahre Spaß gehabt und nie daran gedacht, einmal für mein Engagement ausgezeichnet zu werden.“ Um so größer sei seine Freude darüber, dass er nun den Preis erhalte.


Dreuw, dessen Einsatz in der Pfarre St. Johannes Baptist und beim Vichter Nachmittag ebenso gewürdigt wird wie sein lokalhistorisches Engagement, lobt Hildegard Nießen, die das Amt der Ehrenamtsbeauftragten authentisch ausfülle, und Bürgermeister Grüttemeier: „Sie machen das Ehrenamt in Stolberg zu einem Thema. Damit verändern Sie die Kultur, Sie verändern die Lebensqualität in unserer Stadt.“ Für ihren Einsatz im Förderverein der Regenbogenschule, in der Pfarrgemeinde St. Lucia, der Rheumaliga und der KG Erste Große wird Elsbeth Delsemme mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet. Auch sie freut sich sehr über den Preis: „Ich weiß ihn wirklich zu schätzen und bedanke mich herzlich für diesen besonderen Abend“, sagt Delsemme und beschreibt ihr Dasein als Ehrenamtlerin mit den Worten: „Ich empfinde große Freude und Zufriedenheit in meinem ausgefüllten Leben.“


Carsten Nellißen, seit 21 Jahren auf dem Donnerberg aktiv, Präsident der KG De Wenkbülle, Mitglied der Löschgruppe Donnerberg und Teamer bei der KOT (kleinen offenen Tür) St. Josef, würzt seine Dankesrede sowohl mit munteren Späßen als auch mit einer kritischen Anmerkung und appelliert an die Verantwortlichen, die Schulpolitik zu überdenken: „Es macht mich traurig, dass Kinder und Jugendliche nachmittags kaum noch Freizeit und Energie haben, um am Vereinsleben teilzunehmen.“ Offen spricht der Jugendarbeiter, Feuerwehrmann und Karnevalist sich gegen den „Ballermann-Charakter im Fastelovvend“ aus und äußert einen närrischen Wunsch: „Ich möchte irgendwann in der wunderschönen Stolberger Burg zum Karnevalsprinzen der Kupferstadt gekürt werden.“

Zu den ersten Ehrenamtspreisträgern gehört auch eine ganze Familie. Stellvertretend für ihren Mann Klaus, ihre Tochter Nike, die 2002 mit Down-Syndrom geboren wurde, und ihre Söhne Jonas, Joshua, Johannes und Jorik nimmt Ursula Espeter den Preis entgegen. „Unsere Familie ist inklusiv. Da wir Inklusion ohnehin schon leben, wollten wir dies auch auf andere übertragen“, beschreibt Ursula Espeter die Gründung des Vereins „Tabalingo“, in dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Handicap gemeinsam Sport treiben, Theater spielen und mehr. Preisträgerin Trudi Fieger gibt unumwunden zu: „Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt und bin froh, wenn ich das hier hinter mir habe.“ Dennoch hat die personifizierte „gute Seele des Stolberger Handballs“ einige lustige Anekdoten zu erzählen.


Hermann Josef Kauven erhält den Preis für sein 50-jähriges Wirken im Sozialdienst Katholischer Männer. Auch er bedankt sich herzlich für die Anerkennung, und der immerhin 88-jährige Kauven verspricht: „Ich möchte, solange es geht, meine Arbeit fortführen.“ Ähnlich wie Karl Lüttecke, der für sein vielfältiges Engagement in Vicht geehrt wird, und seinen „ehrenamtlichen Kollegen“ im Ort dankt, indem er den Preis stellvertretend für die aktiven Vichter entgegennimmt. „Wir in Veet haben noch lange nicht fertig“, beendet Lüttecke seine Dankesrede.


Quelle: Stolberger Nachrichten / Zeitung