Ehemalige Kartonagenfabrik "Hoyer": Aus dem Ärgernis wird eine Wohnanlage

Insgesamt 30 Einheiten und fünf Häuser entstehen auf dem alten „Hoyer“-Gelände. Architektur der Fabrik bleibt erhalten.

Seit bereits 14 Jahren ist das Gelände und die zusehends verfallende ehemalige Kartonagenfabrik „Hoyer“ ein großes Ärgernis für die Münsterbuscher. Unmittelbar gegenüber der Kirche ist das Grundstück verwildert und teilweise zu einer illegalen Müllhalde verkommen. Die Ruine auf dem „Schandfleck“ des Stadtteils stellt zudem eine Gefahrenstelle dar, da marode Gebäude- und Dachteile herabstürzen können. Doch bald ist das Ärgernis Geschichte, und dabei gibt es für Münsterbusch gleich mehrere gute Nachrichten. Gelände und Gebäude sind jetzt im Besitz der Eheleute Vera und Kurt Pidun sowie der „PH-Hausbau GmbH“ aus Herzogenrath.

Baubeginn im Herbst geplant

Und die neuen Besitzer werden in das Areal investieren. „Wir wollen mit den baulichen Maßnahmen noch in diesem Jahr beginnen und visieren den Herbst an“, sagt Architekt Kurt Pidun und benennt das Investitionsvolumen auf rund fünf Millionen Euro. Entstehen soll eine moderne und altersgerechte Wohnanlage, und eine weitere gute Nachricht ist: „Die äußere Optik des architektonisch sehr reizvollen Gebäudes wird erhalten bleiben.“ Das Hauptgebäude der alten Kartonagenfabrik, die im Jahr 1912 von dem „Allgemeinen Konsumverein“ als Bäckerei erbaut wurde, soll mit 14 Wohnungen mit zwei bis vier Zimmern bestückt werden. „Es wird einen Fahrstuhl geben, und die Wohnungen, die teilweise auch als Lofts mit Loggien beziehungsweise Dachterrassen geplant sind, werden barrierefrei sein“, erläutert Kurt Pidun.

Die eingeschossigen Anbauten sollen um ein Stockwerk erweitert werden. „So können wir fünf kleinere Häuser mit 80 bis 90 Quadratmeter Wohnfläche und separaten Eingängen daraus machen. Aus den Parkplätzen in diesem Bereich werden Vorgärten für die Häuser“, beschreibt der Architekt. Für Ersatz sollen einerseits auf dem brachliegenden Grünstreifen in der Sackgasse gegenüber der Fabrik neue Parkflächen entstehen.

„Zudem werden wir Parkraum in einer Tiefgarage schaffen“, sagt Kurt Pidun, so dass für alle Wohnungen ausreichend Parkplätze in Form von Außengaragen, Stellplätzen oder in besagter Tiefgarage zur Verfügung stehen werden. Das gelte auch für den geplanten Neubau, der an der Nordseite quasi parallel zum benachbarten Einkaufszentrum errichtet werde.

Dort sollen weitere 16 Einheiten mit altersgerechten Eigentumswohnungen entstehen. „Die Gesamtwohnanlage ist so geplant, dass sie sich harmonisch in die nähere Umgebung einfügen wird“, sagt Kurt Pidun.

Von Bäumen umsäumt

Dementsprechend werde sowohl die Altsubstanz des Fabrikgebäudes erhalten bleiben, als auch weitgehend der Baumbestand: „Unser Ziel ist es, dass die neue Wohnanlage durchgängig von Bäumen umsäumt ist.“ Das Engagement und die konkreten Pläne der Investoren werde nicht nur von der Stadtverwaltung sehr begrüßt, sondern finde bestimmt auch das Wohlgefallen der Münsterbuscher, ist sich Bürgermeister Tim Grüttemeier sicher: „Der Stadtteil ist das Sorgenkind los und wird durch die neue Wohnanlage aufgewertet. Das Projekt ist ein großer Gewinn für ganz Stolberg.“

Trotz ambitionierter Projekte Leerstand und Brache seit 14 Jahren

Seit im Februar 2001 das letzte Kapitel in der Geschichte der Kartonagenfabrik „Hoyer“ abgeschlossen wurde, steht die alte Fabrik an der Münsterbuscher Prämienstraße leer. Ein Eschweiler Investor wollte zwar das Projekt „Wohnen und Arbeiten“ auf dem Areal umsetzen, aber lediglich der Bau einiger Eigenheime auf dem Freigelände konnte realisiert werden. War auch in 2002 ein Dienstleistungszentrum mit Ateliers und Praxen angedacht, zog tatsächlich kein neues Gewerbe mehr in das Gebäude ein. Zwei Jahre später sah der damalige Investor kein Vermarktungspotenzial mehr für das Fabrikgebäude.

2007 übernahm die Bankaktiengesellschaft BAG die Immobilie inklusive Grundstück aus einer Zwangsversteigerung. Neue Hoffnung für das brachliegende Areal schien es im Frühjahr 2009 zu geben, als die Projektgesellschaft Bender und pro Haus in ein neues Projekt investieren wollte. Der Plan sah allerdings nicht den Erhalt der architektonisch wertvollen Substanz vor. Stattdessen sollte die Fabrik abgerissen werden und auf dem Gelände zwei viergeschossige Neubauten mit 34 barrierefreien Wohneinheiten entstehen. Ankermieter wurden jedoch keine gefunden, und die Investitionskosten stiegen in die Höhe, so dass auch dieses Projekt 2010 zu den Akten gelegt werden musste.

Quelle: Stolberger Nachrichten / Zeitung