Stolberg verpasst sich nun einen guten Ruf

Wie sieht sich Stolberg, und wie ist die Kupferstadt am besten in ihrer Außendarstellung zu vermarkten? Industrielle Tradition, die erhaltene Altstadt europäischer Dimension und jede Menge Natur sogar mitten in der Innenstadt gehören zur Identität.
Wie sieht sich Stolberg, und wie ist die Kupferstadt am besten in ihrer Außendarstellung zu vermarkten? Industrielle Tradition, die erhaltene Altstadt europäischer Dimension und jede Menge Natur sogar mitten in der Innenstadt gehören zur Identität.





Die „Kupferstadt im Aachener Land“: Ist das überhaupt ein Slogan, der zu Stolberg passt? Kupferstadt, klar. Allemal ist dieser Begriff ein Sinnbild für die Stadt an Vicht- und Münsterbach mit ihrer langen industriellen Historie. Während Kupferstadt für Einheimische ein stolzer Begriff ist, und für Auswärtige eine Marke sein soll, ist der Beiname „im Aachener Land“ mehr als strittig. Das war er bereits vor acht Jahren, als unter der Moderation von Dr. Robert Datzer ein erstes Tourismuskonzept erarbeitet wurde, und auch heute wird diese eher regionale Zuordnung kritisch gesehen. Weil man mit „im Aachener Land“ beim Marketing nun einmal nicht viel Aufmerksamkeit erzielen kann. Und überhaupt, das „Aachener Land“ existiert historisch und geografisch gar nicht; bestenfalls als Name für eine Raststätte an der Autobahn. Nein, mit solchen Phrasen kann man weder die Begeisterung des Stolbergers für seine Heimatstadt steigern, noch das Image der Kupferstadt in der Ferne verbessern. Nun ja, was nicht so gut läuft, ist in Stolberg meistens bekannt. Aber wie soll es gehen, der Kupferstadt ein positives Image zu verpassen? Wie kann man dieser liebenswerten Stadt, die immer wieder mal weniger schöne Schlagzeilen geschrieben hat, zu einem guten Gesamteindruck verhelfen?


Das ist eine Aufgabe für Profis, befand der Bürgermeister und schlug dem Stadtrat einen Ideenwettbewerb zur Verbesserung der städtischen Außendarstellung vor. Innerhalb der Bewerbungsfrist bis Ende Februar „reichten sieben Agenturen der regionalen Kreativwirtschaft ihre Konzepte ein“, berichtet Tim Grüttemeier. Bereits die rege Beteiligung sei ein guter Erfolg für Stolberg, zeuge sie doch vom großen Interesse in der Region an der künftigen Entwicklung der Kupferstadt, wertet der Bürgermeister. Vor einem Gremium aus Vertretern der Fraktionen und der Verwaltungsspitze haben die Agenturen dann jeweils 30 Minuten Zeit gehabt, ihre Konzepte zu präsentieren. „Es waren sehr interessante Vorschläge darunter“, sagt Grüttemeier, ohne Details verraten zu wollen.


Denn in intensiven Beratungen hat sich die Kommission auf drei Konzepte geeinigt, die die Agenturen dem Stadtrat auf seiner Sitzung am 24. März in einer Kurzfassung vorstellen dürfen. Aus dem Trio soll die Politik ein Team auswählen, dessen Rat in die Tat umgesetzt werden soll. Es sind drei Agenturen aus Aachen, die in der engeren Wahl sind: „Giftgrün“, „Oecher-Design Medienagentur“ und die „Werbeagentur Power+Radach“ – in alphabetischer Reihenfolge – haben mit ihren Ideen Verstand und Gemüt der Auswahlkommission am intensivsten gekitzelt.


„Unser Ziel ist eine langfristige Kooperation“, verdeutlicht Grüttemeier das Vorgehen. Dem Bürgermeister geht es um mehr als einen Slogan, der Einheimische wie Auswärtige begeistert und interessiert, der für die Kupferstadt nach innen und außen wirbt. Erarbeitet werden soll auch ein Leitbild nicht nur für die Verwaltung, deren Mitarbeiter unterstützend geschult werden sollen.


„Wir müssen unsere komplette Außendarstellung auf neue und einheitliche Füße stellen“, erklärt Grüttemeier. Das fängt an bei heute selbstverständlichen Banalitäten wie einheitlich gestalteten Briefköpfen oder Namensschildern und setzt sich fort über Broschüren und Accessoires bis hin zur Online-Präsentation. „Es geht bei dem Ideenwettbewerb aber weniger um die Erstellung einer neuen Design-Linie“, betont Grüttemeier. „Schwerpunkt ist und bleibt dabei die Image-Kampagne, mit der die Außendarstellung Stolbergs nachhaltig positiv beeinflusst wird.“


Entsprechend geht es auch darum, wie der Name der Kupferstadt auch innerhalb Stolbergs und seiner Stadtteile mit Leben gefüllt werden kann. Wenn der Name Programm sein soll, dann muss er auch im alltäglichen Erscheinungsbild ablesbar sein, dann soll der Stolberger und der Besucher beim Bummel durch die Stadt auch erleben können, dass er in der Kupferstadt unterwegs ist.


Im Vorfeld des Ideenwettbewerbs hatte die Verwaltung einmal städtische Publikationen und Informationsschriften aufgelistet, die in der Vergangenheit mit einer Vielzahl unterschiedlicher Kooperationspartner realisiert wurden. 28 Flyer zu Führungen und Veranstaltungen sowie neun Broschüren (zu Heiraten, Wirtschaft, Tourismus, etc.) plus weitere neun Spezialangebote (wie Begrüßungspakete, Stadtpläne, etc.). Hinzu kommen diverse Kleinauflagen aus der städtischen Druckerei.


Unter dem Strich steht eine imposante Zahl: „In den Jahren 2009 bis 2014 haben die lokale Unternehmerschaft und die Kupferstadt für die Außendarstellung insgesamt rund 960 000 Euro aufgewendet“, bilanziert Grüttemeier. Das macht gut 160 000 Euro im Jahr. Mit dem Gesamtkonzept soll der Einsatz der Mittel zielgerichtet, effizient und sparsam erfolgen können.


Für die Umsetzung der Ergebnisse des Ideenwettbewerbs zur Außendarstellung stehen 20 000 Euro im Haushalt für das laufende Jahr zur Verfügung. Zudem müssen in anderen Budgets für Marketingaktivitäten vorgesehene Mittel inhaltlich entsprechend anders eingesetzt werden.


Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten