Das lassen wir uns nicht bieten, wir stehen hinter den Geschäftsleuten


In der Salmstraße fühlten sich die Geschäftsleute zuletzt nicht mehr sicher. Die hohe Zahl der Einbrüche bereitete den Leuten Sorgen. Mit einem Maßnahmenpaket will die Polizei nun gegensteuern.Fotos: O. Hansen 


Bürgermeister Tim Grüttemeier, Robert Walz und Ralph Honné (von rechts) im Gespräch über die hohe Zahl der Einbrüche in der Salmstraße. 

Stolberg. Die Geschäftsleute in der Salmstraße müssen nicht befürchten, dass sie von Schutzgelderpressern heimgesucht werden. Dies versicherte Bürgermeister Tim Grüttemeier am Freitag bei einem Treffen mit den Geschäftsinhabern. Im Gespräch mit der Polizei sei ihm zudem versprochen worden, dass die Ordnungshüter künftig mehr Präsenz auf der „Mühle“ zeigen werden, um Einbrecher abzuschrecken, so Grüttemeier.

Wie berichtet, waren die Läden in der oberen Salmstraße in diesem Jahr insgesamt schon acht Mal Ziel von Einbrüchen. Hinzu kommt ein Fall, in dem die Täter nur die Schaufensterscheibe einschlugen. Oft räumten die ungebetenen Gäste den Laden fast völlig leer, manchmal nahmen sie aber auch kaum etwas mit und griffen nicht einmal in die Kasse. Das gab den Geschäftsinhabern Rätsel auf, ganz abgesehen davon, dass sie in jedem Fall den Gebäudeschaden regulieren mussten.

Zuletzt schlugen die Täter in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zu. Ins Café Weber gelangten die Langfinger durch die aufgehebelte Schaufensterscheibe. Am Stadtfestwochenende räumten Unbekannte einen Getränkeanhänger komplett leer, der in der Salmstraße vor einer Versicherungsagentur geparkt war.

„Wir haben Angst um unsere Geschäfte und den guten Ruf der Mühle“, brachte Bernhard Blaszczyk die Sorgen seiner Kollegen aus der Salmstraße am Freitag beim Gespräch mit dem Bürgermeister auf den Punkt. Friseurin Funda Teke berichtete von zwielichtigen Personen, die regelmäßig in ihren Salon kämen, um Hehlerware anzubieten. „Die versuchen, bei mir Handys, Fernseher oder Messer los zu werden.“ Auch Peter Gilbert wurde bereits Opfer von Einbrechern. Seinen Laden mit einem Schutzgitter zu sichern, sei zu teuer. Da überlege er lieber, woanders hinzuziehen. „Dabei ist das hier eine gute Lage und ich habe meine Stammkundschaft.“

Zumindest in einem Punkt konnte Grüttemeier die Geschäftsleute beruhigen. „Es gibt überhaupt keine Anzeichen für Schutzgelderpressung“, gab der Bürgermeister die Erkenntnisse der Polizei wieder. Das Vorgehen dieser Tätergruppe laufe nach einem völlig anderen Muster ab. In der Salmstraße seien wohl weniger professionelle Täter am Werk gewesen. Grüttemeier: „Das waren Einzeltäter, keine professionellen Banden.“ Trotzdem sei die Polizei aufgrund der vielen Einbrüche in Stolberg (vergangenes Jahr waren es 242 und damit eine Steigerung um 172 Delikte) sensibilisiert.

Im gemeinsamen Gespräch mit der Polizei hatte der Bürgermeister diese Woche nach Wegen gesucht, wie man vor allem die Zahl der Einbrüche in der Salmstraße senken und den Bewohnern ihre Angst nehmen könne. Herausgekommen ist folgendes Konzept:

1) Der für die Mühle zuständige Bezirksbeamte wird durch seinen Kollegen vom Donnerberg verstärkt. Die beiden Polizisten werden tagsüber im Bereich um die Salmstraße auf Streife gehen. Grüttemeier: „Sie werden das Gespräch mit den Anwohnern suchen.“ Die Beamten werden auch die Mieter ansprechen, die über den Ladenlokalen wohnen. Wenn denen etwas Besonderes auffällt, sollen sie sich nicht scheuen, die Polizei unter der ☏ 110 zu alarmieren (der Anruf ist übrigens kostenfrei). Wer nachts zum Beispiel eine Scheibe klirren höre, sollte vielleicht einmal aus dem Fenster sehen und notfalls die Polizei alarmieren.

2) Die Polizei fährt verstärkt Streife im Bereich Salmstraße. Vor allem nachts. Und dies mit Einsatzfahrzeugen und in Uniform, aber auch mit wechselnden Zivilstreifen, die nicht sofort auffallen.

3) Die Stadt wird ihre Ordnungskräfte regelmäßig zur Salmstraße schicken, damit sie den problematischen Straßenzug abgehen.

Aber auch die Geschäftsleute selbst wollen etwas für ihre Sicherheit tun. Sie sind durch die Ereignisse der letzten Wochen näher zusammengerückt. Blaszczyk: „Wir halten jetzt ein Auge darauf, was im Laden nebenan oder gegenüber passiert.“ Wenn er mitbekomme, dass verdächtige „Kunden“ das Geschäft gegenüber betreten, biete er sich als Verstärkung des Ladeninhabers an. Und umgekehrt. Denn inzwischen sei auch bei den Tätern die Hemmschwelle gesunken. Blaszczyk: „Die kommen auch tagsüber. Nachts müssen sie ja viel zu lange nach Wertgegenständen suchen.“

So kam Peter Gilbert unlängst auch tagsüber einer jungen Dame auf dem Parkplatz am Mühlener Bahnhof zu Hilfe, der zwei Männer ihr Auto wegnehmen wollten. Gilbert: „Die Täter werden immer dreister. Die sagten der Frau, sie solle gefälligst aussteigen, man wolle ihr Auto haben.“

Damit der Zusammenhalt der Geschäftsleute von der Salmstraße auch weiterhin funktioniert, wollen sie eine „Unternehmergesellschaft Mühle“ gründen. Am 30. September wollen sie sich erstmals treffen. Und dann regelmäßig tagen, um sich von der Polizei oder anderen Experten beraten zu lassen, was man gegen Einbrüche unternehmen kann.

Bürgermeister Grüttemeier sagte seine Unterstützung schon jetzt zu. Außerdem sollen die Bewohner der Häuser in der Salmstraße mit einem Flyer informiert werden, dass sie vielleicht aufmerksamer sein müssen, um den Einbrechern zunehmend das Handwerk zu legen.

 

Zuletzt suchten Täter
ein Café heim

Der vorerst letzte Einbruch in der Salmstraße erfolgte zwischen 19 Uhr Mittwochabend und 6.20 Uhr am Donnerstagmorgen in das Café Weber. Hier hebelten die Täter die Fensterfront auf und räumten die Ladenkasse leer. Die Polizei bittet um Hinweise.

In der Salmstraße wurden 2014 acht Einbrüche (so viele wie 2013 und 2012) und ein beschädigtes Schaufenster registriert. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist laut Polizei stadtweit um 15,56 Prozent gestiegen, die Zahl der Sachbeschädigungen um 13,13 Prozent.

Die Zahl der Straßenraubüberfälle sank stadtweit um 22,79 Prozent, die der gefährlichen Körperverletzungen um 21,80 Prozent.

 

„Wir haben Angst um unsere Geschäfte und unseren guten Ruf.“

Berndhard Blaszczyk,
Geschäftsinhaber

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