SG kann jetzt Mitgift auspacken


Freuen sich mit den ersten Mustern, dass in Gressenich aus Asche Kunstrasen wird (v.l.): Sportamtsleiterin Petra Jansen, Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier, SG-Vorsitzender Axel Wirtz, die Projektbeauftragten Horst Nippa und Harald Rüttgers, der designierte Technische Beigeordnete Tobias Röhm und Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt 

Stolberg-Gressenich. Fünf Jahre nach der Hochzeit kann am Bovenheck so langsam die Mitgift ausgepackt werden. „Als wir uns 2008 verlobt hatten, gab es bereits erste Überlegungen zum Kunstrasen“, bekennt Vorsitzender Axel Wirtz. Ein Jahr später stehen der FC Adler Werth und der SV Gressenich vor dem Traualtar. Seitdem adressiert das glückliche Ehepaar als Spielgemeinschaft Stolberg mit zwei Anschriften: Rasenstadion Werth und Tennenplatz Gressenich. Jetzt können die Blaugelben auch den zweiten Teil ihres Hochzeitsversprechens realisieren.

Förderbescheid überreicht

Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier bringt den Bewilligungsbescheid über den städtischen Zuschuss in Höhe von 250 000 Euro mit großem Gefolge nach Gressenich. Tobias Röhm wird sich als designierter Technischer Beigeordneter in Zukunft mit dem Kunstrasenplatz beschäftigen, Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt und die neue Sportamtsleiterin Petra Jansen haben schon reichlich Asche in Gressenich geschnuppert und bleiben weiter am Ball, damit die Ehe der SG auch weiterhin glücklich verläuft.

„Fast hätten wir schon vor vier Jahren mit dem Kunstrasen angefangen“, schmunzelt Wilfried Holten. Damals hatte sich die noch überschaubare Jugendabteilung mit einem Kurzfilm bei einem Wettbewerb der Sparkasse beteiligt. Fußballkinder vor dem gesperrten Rasenplatz und auf der matschigen Asche machten deutlich: „Wir wollen einen Kunstrasenplatz haben!“ Das wurde zwar mit einem Preis honoriert, aber die Prämie konnte nur einen kleinen Grundstock bilden auf dem langen Weg zum Grün aus Kunststoff.

Der ist dennoch von deutlichen Erfolgen markiert. 2007 zählte die Jugendabteilung in Werth drei Kinder, erzählt Holten den vielen Besuchern im mit Zeitungsartikeln und Plänen geschmückten Vereinsheim. Doch mittlerweile hat die Spielgemeinschaft auch mit Blick auf das Kunstrasenprojekt jede Menge Boden gut gemacht und auch Jugendliche aus der Umgebung gebunden – trotz der großen Konkurrenz in der Nachbarschaft. 99 Jugendliche kicken in der G-, F-, E-, D- und C-Jugend; hinzu kommen C-Juniorinnen. Der Nachwuchs-Unterbau steht und gedeiht. Und in der Kreisliga A präsentiert sich die SG als bester Club in der Kupferstadt – durchaus mit Bezirksliga-Ambitionen. Beste Voraussetzungen also für eine glückliche Fußballer-Ehe, die in ihrem sechsten Jahr die Mitgift auspackt.

Denn die Wintersaison wird noch auf der Asche absolviert. Mit den Frühblühern soll der Spiel- und Trainingsbetrieb wieder ins lauschige Werther Stadion wandern. Dann haben Harald Rüttgers und Horst Nippa als Projektbeauftragte freie Hand, die Asche zu begrünen.

Jede Menge Vorbereitungen und Überlegungen sind bereits gelaufen. Zunächst muss die alte Asche weg und eine neue Ringdrainage her. Die Asche ist untersucht und soll vor Ort aufbereitet werden; die belastete Körnung unter 0,8 Millimeter wandert zur Deponie. Und ein Anschluss für die Wasserentsorgung ist auch schon vorhanden, plaudert Nippa aus dem „Nähkästchen“. Inklusive Coaching- und Auslaufzonen soll der neue Platz 66 mal 101 Meter messen. Wenn die Vorbereitungen am Untergrund abgeschlossen sind, wird der Plastikuntergrund in wenigen Wochen ausgerollt und mit Granulat gefüllt sein können. Ein erstes Kunstrasen-Gefühl davon vermitteln bereits kleine grüne Muster mit aufgesetzten Bällen, die im Vereinsheim ausliegen.

Der Eingang am Bovenheck bleibt, aber eine kleine Tribüne soll das bestehende Hüttendorf am Spielfeldrand ergänzen und seinen Teil zum Lärmschutz für die Nachbarschaft beitragen. „Wir werden alles unternehmen, um unsere gute Nachbarschaft zu pflegen“, verspricht Axel Wirtz. Die Umzäunung wird verbessert, das Umfeld des neuen Platzes soll attraktiver gestaltet und das Parkplatz-Problem in den Griff bekommen werden. Jede Menge Eigenleistung kommt auf die ambitionierte Spielgemeinschaft zu. Da darf der Hinweis des Vorsitzenden an Gönner und Mitglieder nicht fehlen, dass die Blau-Gelben mit dem Budget von 100 000 Euro wohl nicht auskommen werden, um alle Wünsche Realität werden zu lassen. Aber wie das nun einmal in einer jungen Ehe so ist, kann man mache Träume auch nur peu á peu anpacken.

Voller Vorfreude ist jedenfalls auch eine Nachbarin: Hildegard Lüttecke, die Leiterin der Gressenicher Grundschule, gratuliert schon einmal zur Mitgift und freut sich darauf, dass auch ihre Kinder einmal auf dem Kunstrasen kicken dürfen.