Besuch des IFTAR-Festes: Toleranz und ein respektvolles Miteinander - anregende Gespräche unter Freunden

 

Pfarrer Hans-Rolf Funken, der Side-Vorsitzende Ahmet Yildiz, der neue Bürgermeister Tim Grüttemeier kommen ins Gespräch.
Pfarrer Hans-Rolf Funken, der Side-Vorsitzende Ahmet Yildiz, der neue Bürgermeister Tim Grüttemeier kommen ins Gespräch. Foto: Dirk Müller         

Es ist das letzte Fastenbrechen in diesem Jahr, denn der Ramadan geht zu Ende. Die Tische in der festlichen Stadthalle sind eingedeckt und hinter den Kulissen laufen die letzten Vorbereitungen für das große Iftar-Fest, das die türkische Mittelstandsvereinigung Side gemeinsam mit den muslimischen Gemeinden Ditib (Rathausstraße), IBV (Schneidmühle), Igmg (Eschweilerstraße) und der Türk Federasyon veranstaltet – inzwischen zum sechsten Mal. „Wir sind auf einem guten Weg“, beschreibt Ahmet Yildiz die öffentliche Veranstaltung. Der Vorsitzende der „Side“ betont, dass nicht nur Muslime sondern auch Christen und Andersgläubige herzlich zu dem Fest eingeladen seien.

 

Zweisprachige Feier

„Hier sitzen wir an einem Tisch, kommen ins Gespräch, tauschen uns aus und lernen uns besser kennen.“ 1200 Mahlzeiten – finanziert durch Sponsoren und Unterstützer – sind vorbereitet, und Yildiz meint um 20 Uhr, es könnte zu viel Essen sein, denn „es ist ja Hauptreisezeit“.

Andererseits denkt er an die Entwicklung des Stolberger Iftar-Festes: „Es kommen immer mehr Gäste aus der Umgebung, zum Beispiel aus Eschweiler oder Aachen, und erfreulicher Weise auch mehr Nicht-Muslime. Vielleicht werden es ja heute doch rund 1000 Gäste.“ Gut eine Stunde später holt die Realität seine Einschätzung ein, und zwar im positiven Sinne. Der Saal der Stadthalle ist restlos gefüllt, die Gäste, die immer noch eintreffen, nehmen mittlerweile auf der Empore Platz, die Anzahl von 1200 Mahlzeiten ist bestens kalkuliert.

 

Voneinander lernen

In deutscher und türkischer Sprache begrüßen Canan Dogan und Firdevs Kirsolak die Gäste, und die beiden Frauen finden die passenden Worte, mit denen sie über den Ramadan und über Stolberg sprechen. Sie erklären, der Ramadan sei ein Monat der tiefen Hingabe und der Reflexion ebenso wie der Solidarität, der Versöhnung und des Friedens sowie eine Zeit für Familie und Freunde.

„Stolberg ist nicht eine Zusammensetzung aus geografischen und historischen Daten, auch nicht das Produkt von Vorurteilen und Vorbehalten, sondern ein Beispiel für ein Miteinander in Frieden und Demokratie in Wohlergehen und sozialer Teilhabe, in kultureller und religiöser Vielfalt“, führten Kirsolak und Dogan aus.

„Unsere Stadt besteht aus einer Vielzahl von Ethnien, Religionen und Weltanschauungen, und das ist auch gut so, denn unsere Gemeinschaft wird durch diese Vielfalt bereichert, und wir lernen gegenseitig voneinander. Mit Veranstaltungen wie dem heutigen Fastenbrechen setzen wir ein Zeichen der Toleranz, des respektvollen Umgangs miteinander und der gegenseitigen Anerkennung.“

Diesen Worten schließen sich Turgay Sacu (Ditib), Osman Ertürk (IBV), Muhammet Özgen (Igmg) und Aydin Hepaltun (Türk Federasyon) ebenso an wie der neue Bürgermeister. „Ich freue mich sehr, heute Abend hier zu sein. Es ist wichtig, dass wir Feste zusammen feiern, und ein gutes Zeichen für die Integration in Stolberg“, erklärt Tim Grüttemeier. Yildiz erinnert an das derzeitige Schicksal der Menschen in Gaza und sagt: „Ich hoffe, dass dieser Krieg bald beendet wird.“

 

Der katholische Pfarrer Hans-Rolf Funken knüpft daran an: „Es ist schön, dass wir heute Abend hier so friedlich zusammensitzen. Das ist leider nicht überall auf der Welt so, und ich wünsche mir, dass auch in anderen Ländern die Völker einen Weg finden, in Frieden miteinander zu leben.“ Die Vorbeter der muslimischen Gemeinden Yüksel Mutlu (DITIB), Hüseiy Gök (IGMG) und Ibrahim Dirioglu (IBV) zitieren Koranverse und sprechen Dankesgebete – auch diese werden übersetzt und in deutscher Sprache vorgetragen. Als um 21.37 Uhr die Sonne untergeht wird nicht nur zur Freude der vielen anwesenden Kinder seitlich der Stadthalle ein kleines Feuerwerk entzündet, unter anderem von Bürgermeister Grüttemeier. Drinnen beginnt das gemeinsame Essen mit einer kräftigen Suppe. Es folgen gemischtes Gemüse, Reis, Fleisch und „Baklava“ zum Nachtisch sowie viele anregende Gespräche im Kreise von Familie und Freunden.