Grüttemeier: "Bürgermeisteramt muss besser ausgeübt werden!" - Bürgerwille ernstnehmen und Ideen verwirklichen.

Volles Haus in der Donnerberger KOT: Den Fragen von Carsten Nellißen (2.v.l.) stellen sich die Kandidaten Klaus-F, Kratz, Ferdi Gatzweiler, Tim Grüttemeier, Mathias Prußeit und Alex Kaldenbach (.v.l.). Bild: Stolberger Zeitung.
Volles Haus in der Donnerberger KOT: Den Fragen von Carsten Nellißen (2.v.l.) stellen sich die Kandidaten Klaus-F, Kratz, Ferdi Gatzweiler, Tim Grüttemeier, Mathias Prußeit und Alex Kaldenbach (.v.l.). Bild: Stolberger Zeitung.

Bericht der Stolberger Zeitung/Nachrichten über die Diskussionsrunde der Bürgermeisterkandidaten bei der KOT Donnerberg: Der eine Kandidat fühlt sich richtig wohl in der Kleinen offenen Tür St. Josef und ist fasziniert von der Arbeit, die dort geleistet wird. Ein anderer gesteht, die Einrichtung nicht gekannt zu haben und dass er erst einmal googeln musste, was es mit der offenen Kinder- und Jugendeinrichtung auf sich hat, als er von den Jugendlichen zum Wahlduell zur Bürgermeisterwahl eingeladen wurde.

 

Eltern-Willen umgesetzt

 

Doch während Kaldenbach und Kratz fordern, dass der Bürgermeister in Zukunft mehr Geld für Jugendarbeit locker machen muss, um mehr Einrichtungen für Jugendarbeit zu schaffen und mit städtischen Mitarbeitern zu organisieren, widerspricht ihnen CDU-Politiker Grüttemeier: „Wir dürfen niemandem aufdrücken, was wo gemacht wird. Eine Einrichtung wie die KOT wächst vor Ort. Die Aufgabe der Stadt ist es dann einen Rahmen zu schaffen.“ Dennoch ist Mathias Prußeit überzeugt, dass sich die Stadt in Sachen Jugendarbeit mehr leisten kann.

 

Dass das Programm der KOT weit gefächert und von den Jugendlichen, unter der Leitung des Sozialpädagogen Jörg Beißel, mit viel Engagement ausgeführt wird, zeigt dieses Wahlduell. Zum ersten Mal stellt ein Team der KOT Fragen an die Bürgermeister-Kandidaten während des Wahlkampfes und lockt viele interessierte Bürger – insbesondere Donnerberger, ins Pfarrheim.

 

So fragt das nächste Thema, das Moderator Carsten Nellißen, der seit vielen Jahren KOT-Teamer ist, anspricht, nach der Vereinbarkeit von Freizeit und Schule: „Ihnen allen liegt das Ehrenamt also am Herzen und Sie wissen, wie sehr Einrichtungen wie die KOT oder Sportvereine zur Persönlichkeitsbildung beitragen. Warum aber wird dann der ganztägige Schulbetrieb weiter gefördert und ausgebaut?“

 

Grüttemeier verweist daraufhin auf den Willen von Eltern, Schülern und Lehrer, die in Schulkonferenzen sowohl am Ritzefeld-Gymnasium als auch Goethe-Gymnasium für G8 und Ganztag gestimmt hätten: Diese Entscheidung dürfe die Kommunalpolitik nicht ignorieren.

 

Auch Prußeit sieht eine Notwendigkeit für die Umstrukturierung der Schulen. „Die Aufgabe der Erziehung sollten die Eltern nicht abgeben. Aber wenn beide Elternteile, wie es heutzutage sehr häufig ist, arbeiten müssen, ist es wichtig, dass die Kinder ganztägig betreut werden.“ SPD-Politiker Gatzweiler ist die Diskussion zu schwarz-weiß: „Es sind Möglichkeiten gefunden worden, Ehrenamt und Schule zu verknüpfen. Diese müssen weiter ausgebaut werden.“

 

Als nächstes äußern sich die Kandidaten zum Thema Familie. Die Frage: „Wie kann man zukünftig mehr Familien an Stolberg binden?“ Für Ferdi Gatzweiler ist die Frage, wie er selber sagt, „relativ einfach zu beantworten“. Günstige Grundstücke, gute Betreuungsangebote für Kinder und hohe Lebensqualität zeichnen für ihn die Kupferstadt aus. Mathias Pru-ßeit fehlen jedoch Sauberkeit in der Innenstadt und Freizeit-Lokalitäten, wie ein Kino. Und: „Das Amt für Wirtschaftsförderung im Rathaus ist unterbesetzt. Es müssen bessere Voraussetzungen geschaffen werden, damit Unternehmen hier investieren. Das heißt, Klinken müssen geputzt und Kontakte geknüpft werden.“ Die Diskussion erhitzt sich, als Kaldenbach Stolberg als „Drecksloch“ bezeichnet. Für ihn muss es nicht nur sauberer sein und müssen Investoren nach Stolberg geholt werden, sondern sollen die Attraktionen der Stadt, wie die Burg und der Eifelsteig-Zubringer, noch attraktiver werden. Kritik übt der Breiniger auch am Nahverkehr, der seiner Meinung nach ausbaufähig ist.

 

Für Tim Grüttemeier ist die Euregiobahn im Vergleich zum Auto die schnellere Variante, um beispielsweise nach Aachen zu fahren, und befürwortet einen Ausbau der Strecke nach Breinig. Der CDU-Politiker fügt hinzu, dass neben den hohen Kosten, die der Nahverkehr mit sich bringe, der Bedarf der Linien jährlich neu ermittelt werde.

 

Klaus Kratz erzählt daraufhin, warum er nach Stolberg gezogen ist – und zwar des Jobs wegen. Seiner Meinung nach macht vor allem eine funktionierende Wirtschaft eine Stadt für junge Familien attraktiv: „Stolberg war eine wirtschaftliche Hochburg. Das muss es wieder sein.“ Kratz ist überzeugt, dass Attraktionen erst dann nach Stolberg kommen, wenn drum herum eine funktionierende Wirtschaft vorhanden ist. Uneinig sind die Kandidaten in der Frage, ob die Gewerbesteuer ausschlaggebender Faktor für mangelndes Interesse von Firmen an Stolberg ist.

 

Angesprochen wurde auch die Internetverbindung. Ferdi Gatz-weiler hält, wie Grüttemeier, die derzeitige Verbindung für nicht zufriedenstellend und berichtet von den Bemühungen um Förderprogramme der Bundes- und Landesregierung, um Glasfaser nutzen zu können. Auch Mathias Prußeit unterstützt das für ihn unverzichtbare Breitband. Kaldenbach sieht weiterhin großen Handlungsbedarf, und auch Kratz hält die jetzige Internetanbindung für „eine Katastrophe“. Er will sich vor allem für eine schnellere Verbindung in der Innenstadt einsetzen.

 

Ein Thema, dass auch viele Jugendliche beschäftigt, ist Rechtsradikalismus. Alex Kaldenbach ist sich mit Kratz einig, dass die Schilder mit der Aufschrift „Stolberg hat keinen Platz für Rassismus“ an Ortseingängen, abgeschafft werden müssen. Kaldenbach positioniert sich, wie alle anderen Kandidaten, klar gegen Extremismus, jedoch hält er die Schilder für Angriffsfläche und Abschreckung für Touristen.

 

Kratz betont, dass seiner Meinung nach die Schilder keine Lösung im Kampf gegen Rechtsextremismus sind, und Zeichen für ein buntes Stolberg gesetzt werden müssten. Er will, dass sich die Stolberger mit ihrer Stadt identifizieren. Prußeit lobt die Arbeit des Bündnisses gegen Radikalismus und fordert: „Wir müssen unsere Bürger weiter aufklären und sensibilisieren.“ Auch Tim Grüttemeier wirbt für mehr Aufklärung, und für ihn ist klar, dass dieses Thema kein Wahlkampfthema ist. Er betont: „Unter uns Demokraten darf es dazu nur eine Meinung geben.“ Für ihn sind die erfolgreichen Veranstaltungen in den vergangenen Jahren der Beweis für den Erfolg des Bündnisses. Dieser Meinung ist auch Gatzweiler. Statt zu versuchen, die Aufmärsche der Nazis zu verbieten, müsse man weiter ein starkes und breites Bündnis dagegen darstellen: „Demokratie bedeutet Freiheit, und das heißt auch, dass wir das aushalten müssen. Was zählt, ist das Engagement der Menschen.“

 

Das Wahlduell endet mit der Frage an jeden einzelnen Kandidaten, wen er selber wählen würde, insofern er selbst nicht anträte. Kratz und Kaldenbach sehen gegenseitig Parallelen, Prußeit könnte sich in dem Fall noch am meisten mit der SPD identifizieren und auch Grüttemeier würde Gatz­weiler seine Stimme geben, weil er an diesem Abend mit schwarzer Anzughose und roter Jacke die Farben der großen Koalition trägt. Der amtieren Bürgermeister würde selber Alex Kaldenbach wählen: „Ich fänd es einfach interessant zu sehen, wie er mit das Amt mit seinen schwarz-weißen Regeln ausführen würde.“

 

Der Beste und der Bessere

 

Bevor die Ortsvertreter aller Parteien vorgestellt werden, haben die fünf Bürgermeisterkandidaten die Möglichkeit, kurz zu erläutern, warum sie der Richtige im Rathaus wären. Während Ferdi Gatzweiler behauptet, der Beste zu sein, ist. Tim Grüttemeier überzeugt, das Amt besser ausführen zu können, als es in den letzten Jahren geschehen ist. Klaus Kratz ist inspiriert von einem außergewöhnlich jungen Kandidaten, der in der Stadt Monheim die Schulden drastisch gesenkt hat, Mathias Prußeit will neue Wege gehen und Alex Kaldenbach mit seiner Unabhängigkeit und Neutralität punkten.

 

Nach zwei Stunden Diskussion ist Jörg Beißel, Leiter der KOT, sehr zufrieden mit der Veranstaltung: „Wir haben nicht nur gezeigt, wie sehr sich die Jugendlichen hier auf dem Donnerberg engagieren, sondern auch, dass sie politisches Interesse zeigen.“

 

 

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten