Podiumsdiskussion der CDU-Seniorenunion zum Thema: Neuregelung Apothekennotdienst

 

Grüttemeier: "Vor allem ältere Menschen halten den Weg zur Notfall-Apotheke wegen der neuen Regelung für unzumutbar und fordern eine Rückkehr zur vorherigen Praxis".
Grüttemeier: "Vor allem ältere Menschen halten den Weg zur Notfall-Apotheke wegen der
neuen Regelung für unzumutbar und fordern eine Rückkehr zur vorherigen Praxis".

Viele ältere Menschen fordern eine Rückkehr zum früheren System. Ist die Neuregelung des Apotheken-Notdienstes eine Zumutung? Mit dieser Frage beschäftigte sich jetzt die Senioren-Union Stolberg unter dem Vorsitz von Ludwig Hahn. Um der Podiumsdiskussion mehr Gehalt zu geben und Informationen quasi aus erster Hand zu erhalten, hatte Hahn den Geschäftsführer der Apothekenkammer Nordrhein, Dr. Stefan Derix, ins ökumenische Gemeindezentrum Frankental eingeladen.

 

Wie berichtet führt die Neureglung des Apotheken-Notdienstes dazu, dass außerhalb der Geschäftszeiten jetzt unter Umständen in Roetgen, Würselen oder Aachen liegende Apotheken für Notfallmedikamente in Anspruch genommen werden müssen. Diese Entfernungen empfindet Derix nach eigenen Worten als zumutbar, weil man an der bisher gültigen Richtlinie, dass eine Apotheke im Umkreis von maximal 14 Kilometer erreichbar sein muss, nichts geändert habe. Außerdem, so der Geschäftsführer, sei es für einen auf dem Donnerberg wohnenden Kunden sicherlich einfacher, eine in Eschweiler liegende Apotheke zu erreichen als möglicherweise eine in Breinig ansässige Einrichtung aufsuchen zu müssen.

 

Dieser Ansicht widersprachen etliche der 40 Besucher, die für die Beibehaltung des bisherigen Systems plädierten, welches für die Kupferstadt beinhaltete, dass für den Notdienst nur Stolberger Apotheken in Frage kamen. „Die neue Reglung verlangt Ortskenntnisse auf unbekanntem Terrain. Wie soll ein älterer Mensch eine beispielsweise in Würselen angesiedelte Apotheke finden, deren Standort ihm völlig unbekannt ist? Kann man nicht stattdessen die in Stolberg ansässigen Ärzte oder das Bethlehem-Krankenhaus mit einer Notfallapotheke ausstatten“, regte Doris Kaldenbach an, die auch die Fahrtkosten für Taxis und die Erreichbarkeit mit dem Bus ins Gespräch brachte. „Fahren Sie mal mit dem Taxi nach Roetgen, um im Notfall ein Medikament zu bekommen. Dann schlägt die Endabrechnung aber richtig ins Geld“, gab sie an die Adresse von Stefan Derix zu bedenken. Außerdem wurde von den Diskussionsteilnehmern bemängelt, das der bisher in den Kupferstädter Apotheken verfügbare Notdienstkalender entfallen und durch Internet-Informationen und Telefonnummern ersetzt worden sei. Geteilt wurden die Bedenken der Besucher auf dem Podium von Tim Grüttemeier, Fraktionsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat der Stolberger CDU. „Das neue System wird von den Menschen als eine Verschlechterung des bisherigen Zustandes wahrgenommen“, so der Kommunalpolitiker, der – vergeblich – um einen Interessenausgleich zwischen dem Vertreter der Apothekenkammer und den Gästen der Veranstaltung bemüht war.

 

Erfahrungen auswerten

Eine Einigung wurde nicht erzielt – was wenig überraschte. Derix versprach, die Bedenken der Diskussionsteilnehmer ernstzunehmen, nach einer Erfahrungsphase von maximal einem Jahr über Korrekturen nachzudenken – und falls nötig eine Änderung der Regelung vorzunehmen. Um Soforthilfe war Apothekerin Katrin Kuchenbuch bemüht, die mit ihren Kollegen ins Gespräch kommen will, um den Kunden mit einen aus dem Internet ausgedruckten Notdienstkalender auszuhelfen, der die jeweils monatlich gültigen Daten wiedergibt.