Große Koalition: Anreize für Umwelt, Klima und Haushalt

Mehr Windenergie: Mit mindestens fünf weiteren Standorten für Windenergieanlagen im Stadtgebiet rechnet die Koalition.
Mehr Windenergie: Mit mindestens fünf weiteren Standorten für Windenergieanlagen im Stadtgebiet rechnet die Koalition.

Von: Jürgen Lange 

 

STOLBERG. „Die in den vergangenen Jahren erfolgten Investitionen zum Energiesparen haben sich bereits gelohnt“, rechnet Rolf Engels vor. Ein Volumen von rund zwei Millionen Euro hätte konsolidiert werden können. „Somit konnte die Stadt die Preissteigerungen auffangen“, bilanziert der Sozialdemokrat. „Was gut für die Umwelt ist, kann auch gut für den städtischen Haushalt sein.“

Der soll zukünftig noch intensiver durch die Energiewende profitieren, kündigt die große Koalition an. Auf seiner nächsten Sitzung soll der Stadtrat ein Handlungskonzept beschließen, das der Verwaltung als Leitfaden für ihre Arbeit dienen soll. Dort, wo die Stadt nicht selbst aktiv zu einer Optimierung des Energieverbrauchs beitragen kann, sollen Engagement und Investitionen von Privat unterstützt werden.


Windkraftanlagen auch im Wald

Dies gilt auch für einen Kernpunkt des energiepolitischen Konzeptes. CDU und SPD nehmen für die Kupferstadt den weiteren Ausbau erneuerbarer Energie in Angriff. Ankerpunkt sind dabei Investitionen in die Windenergie. Eine erste Analyse hat ergeben, dass neben den drei Anlagen auf der Werther Heide weitere 27 Hektar Potenziale zur wirtschaftlichen Stromerzeugung aus Wind bieten. Derzeit werden die Standorte auf ihre Eignung auch unter artenschutzrechtlichen Aspekten genau untersucht. „Wir rechnen mit mindestens fünf weiteren realisierbaren Standorten“, sagt Jochen Emonds (CDU), die auch in Waldbereichen liegen können. „Wer erneuerbare Energie will, wird mit weiteren Windrädern leben müssen.“ Die Koalition möchte es, und erwartet bei einer Erzeugung von rund acht Megawatt „einen deutlichen sechsstelligen Betrag“ jährlich im Haushalt beim Haben verbuchen zu können.

Mehr Photovoltaik

Weiteres Augenmerk legen will die Koalition bei der Nutzung städtischer Immobilien für Photovoltaik. Bislang wurden auf 3000 m2 von städtischen Immobilien Solaranlagen installiert. 4000 Euro werden derzeit jährlich eingenommen. Aber auch die Nutzung weiterer Arten erneuerbarer Energie soll eingesetzt, unterstützt oder untersucht werden. „Neuerdings ist auch die Nutzung von Grubenwasser aus Bergbauaktivitäten interessant“, verweist Paul Kirch auf Potenziale als Wärmetauscher. „Das könnte auch in Stolberg interessant sein“. Andere Felder weiter zu erschließen dürften eher private Investoren interessieren: Enwor betreibt in Breinig ein Wasserkraftwerk, der WVER an der Talsperre; bisher ein Landwirt betreibt eine Biogasanlage; in Geothermie, Holz- und Häckselöfen sieht die Koalition vor allem die Privatwirtschaft gefordert. „Wir wollen Rahmenbedingungen schaffen und Hilfestellungen geben“, kündigt Kirch an.

Der Büsbacher Reiterverein hat jüngst in eine Pelletsheizung investiert, und Dieter Wolf (SPD) rät Sportvereinen, sich rechtzeitig Gedanken zu machen, wie und wo Energie auf den Sportanlagen eingespart werden kann. Denn ab 2016 sollen auch die Freiluftsportler 50 Prozent der Verbrauchskosten tragen. „Es wird sich bezahlt machen, wenn auch die Sportanlagen fachkundig bewirtschaftet werden“, so Wolf. 

Ihrerseits soll die Verwaltung ihre Anstrengungen zur energetischen Sanierung von Gebäuden konsequent weiter umsetzen. Der Energiecheck für städtische Gebäude soll so fortgeschrieben werden, dass ein Überblick gewonnen wird, welche Sanierungsmaßnahme in welcher Immobilie zu den besten Kosten- und Verbrauchseffekten führt. „Investitionen amortisieren sich durch Einsparungen“, verweist Hildegard Nießen (SPD) ebenso darauf, dass ein Energiemanagement für die städtischen Gebäude eingeführt werden soll. Beispielhaft ist die Gesamtschule, sagt Jochen Emonds. Lichtschalter fehlen; statt dessen passt eine Elektronik die Beleuchtung den aktuellen Lichtverhältnissen an. Ritzefeld-Gymnasium, Realschule Liester, Hallenbad und Josefshaus sind Beispiele einer energetischen Effizienzsteigerung durch Wärmedämmung und der Nutzung neuer Technik, die sich bei den städtischen Energiekosten positiv bemerkbar macht.

Geld verdienen möchte Stolberg mittelfristig mit der Straßenbeleuchtung, nachdem mit dem Versorger EWV ein neuer Beleuchtungsvertrag ausgehandelt worden ist. Dieser sieht vor, dass alle Quecksilberdampflampen bis 2016 auf LED-Technik umgestellt werden. „So werden 70 Prozent der Kosten für Strom eingespart“, rechnet Rolf Engels vor. Die derzeit ebenfalls eingesetzten Natriumdampflampen sollen dann auf LED umgerüstet werden, wenn sie defekt sind oder turnusmäßig ausgetauscht werden müssen; ihr Energieverbrauch liege bereits bei 50 Prozent der älteren Quecksilberdampflampen. Die durch die EWV geplanten Investitionen sollen sich von 2019 in barer Münze bezahlt machen. Dann teilen sich Versorgungsunternehmen und Stadt den Kostenvorteil im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel.

Bewusstsein wecken

Bezahlt machen im Privatleben, für die Stadt und für die Umwelt soll sich auch eine Bildungsoffensive, die der großen Koalition vorschwebt. Erzieher und Pädagogen in Tagesstätten und Schulen sollen angehalten werden, Kinder zu einem klimabewussten Verhalten zu erziehen. Auch bei Vereinen, Verbänden und Institutionen soll durch ein Beratungsangebot das Bewusstsein für einen sparsamen Umgang mit Energie sowie den Klimaschutz geweckt werden.

Als Vorbild dabei möchte die Kupferstadt mit vorangehen, sagt Patrick Haas (SPD). Stolberg ist aktiv beteiligt bei der Erarbeitung des städteregionalen Klimaschutzkonzeptes. Eine erste Potenzialanalyse ist abgeschlossen; jetzt werden Details mit den beteiligten Akteuren abgesprochen. „Wir möchten die Bürger mitnehmen auf dem Weg, CO2 einzusparen und die Energiewende zu meistern“, betont Haas. So zählt zu dem Handlungskonzept auch eine stärkere Berücksichtigung relevanter Aspekte bei der Bauleitplanung. Bei der Ausweisung des Neubaugebietes auf dem Duffenter wurden erstmalig in Stolberg solche Akzente berücksichtigt, in dem beispielsweise bei der Lage der Baugrundstücke eine Ausrichtung zum Sonnenstand hin vorgenommen wurde.

Leitfaden für die Verwaltung

Zu den Eckpunkten einer nachhaltigen Bauleitplanung zählt für die Koalition auch die Berücksichtigung der Frischluftschneisen, die insbesondere für die Innenstadt angesichts ihrer Lage im engen Tal von Bedeutung sind.

Wenn der Stadtrat auf seiner Sitzung am 21. Mai das Handlungskonzept erwartungsgemäß beschließt, soll es „zum ständigen Leitfaden bei der Arbeit der Verwaltung und die einzelnen Handlungsempfehlungen konsequent umgesetzt werden“, so Nießen.

 

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