Ronald Pofalla kommt mächtig ins Schwitzen

(Stolberger Zeitung)

„Und hier haben wir alles im Blick“: Ronald Pofalla (rechts) zu Besuch in der Berzelius Bleihütte. Foto: R. Flader „Und hier haben wir alles im Blick“: Ronald Pofalla (rechts) zu Besuch in der Berzelius Bleihütte. Foto: R. Flader
„Und hier haben wir alles im Blick“: Ronald Pofalla (rechts) zu Besuch in der Berzelius Bleihütte. Foto: R. Flader „Und hier haben wir alles im Blick“: Ronald Pofalla (rechts) zu Besuch in der Berzelius Bleihütte. Foto: R. Flader

Der Kanzleramtschef besucht die Berzelius Bleihütte. Am Binsfeldhammer werden ab 2013 rund 20 Millionen Euro investiert. Neue Arbeitsplätze.


Stolberg. Es wäre nicht mutig zu behaupten, dass ein Kanzleramtschef und Bundesminister für besondere Aufgaben schon einiges gesehen hat quer durch die Republik. Sehen und gesehen werden, das gehört ja irgendwo auch zu diesem Job. Als Ronald Pofalla aber gestern Abend in der Berzelius Bleihütte neben deren „Herzstück" stand, hatte das weniger mit geschäftsmäßiger Routine zu tun. Der 52-Jährige kam am sogenannten SQL-Aggregat, in dem die Oxidation und Reduktion von Blei stattfindet, in seiner schweren Sicherheitskleidung mächtig ins Schwitzen. Eine rund 1000 Grad heiße Maschine bringt nun mal auch den größten Polit-Profi aus dem Konzept, kurz zumindest.


Sichtlich beeindruckt war der Minister von seinem Kurztrip an den Westzipfel, wo er sich ein Bild von der hiesigen Bleiproduktion am Binsfeldhammer machte - und staunte nicht schlecht, als er mit einer achtstelligen Neuigkeit konfrontiert wurde. Was nämlich noch nicht publik war, als Pofalla vor Wochen eingeladen wurde: Berzelius plant nach den jüngsten Investitionen in die Verdoppelung der Sauerstoffproduktion und die Optimierung der Drehflammöfen die dritte große Investition in Stolberg. Rund 20 Millionen Euro gibt das Unternehmen für den Ausbau seiner Silberproduktion aus. „Damit", sagte Berzelius-Geschäftsführer Urban Meurer, „werden wir in Zukunft mit Silber einen höheren Umsatz erzielen als mit unserem eigentlichen Produkt Blei."


„Sicherung für den Standort"


In der Kupferstadt produziert das Unternehmen jedes Jahr neben 155 000 Tonnen Blei bisher auch 340 Tonnen Silber. Diese Menge soll bis zum Jahreswechsel 2014/15 verdreifacht werden, skizzierte Unternehmenssprecher Leif Kubik den Zeitplan. Bis zur letzten Ausbaustufe der neuen Treibhütte, „die eigentlich keine Hütte im klassischen Sinne mehr ist", werde der Einsatz Zug um Zug auf silberreiche Konzentrate umgestellt. Pofalla forderte, sich an der Bleihütte ein Beispiel zu nehmen: „Wir reden viel über die Energiewende und müssen auch im Bereich der Batterietechnik zulegen."


Und klar, zehn Tage vor der Neuwahl des NRW-Landtages kam der Besuch des Kanzleramtschefs neben der Berzelius GmbH auch Axel Wirtz nicht ganz ungelegen. Der CDU-Landtagsabgeordnete freute sich ebenfalls über die Pläne und sagte: „Die Investitionen sind ein Bekenntnis, eine Sicherung für den Standort Stolberg, insbesondere vor dem Hintergrund der Arbeitslosenzahlen."


Berzelius Stolberg plant, die aktuell 209 Mitarbeiter umfassende Produktion aufzustocken, „um rund fünf Prozent", wie Meurer verriet. Dabei gehe es in erster Linie um Arbeitskräfte für den Bereich Logistik, also Leute, die ab 2014 die neuen Anlagen führen sollen.


Als die „Runde" durch die Bleihütte ihrem Ende entgegen ging und so langsam wieder frische Luft schnappen konnte, schaute der Minister auf die Uhr und sagte: „Ich muss los und meine Maschine bekommen." Pofallas nächstes Ziel hieß Berlin, die Kanzlerin und der Koalitionsknatsch warteten schon.


In Stolberg werden gebrauchte Starterbatterien vollständig recycelt

 

Die Berzelius-Gruppe ist eines der größten Bleirecycling-Unternehmen weltweit. Sie stellt nicht nur Blei, Bleilegierungen, Silber, Schwefelsäure, Natriumsulfat und Polypropylen-Compounds her, sondern steht auch für einen einzigartigen Recyclingkreislauf von Bleibatterien. Berzelius rühmt sich, der einzige Akteur am Markt zu sein, der gebrauchte Starterbatterien vollständig recycelt. Die lückenlose Erfassung gebrauchter Bleibatterien wird durch eigenen Fuhrpark und ein bundesweites Logistiknetzwerk sichergestellt.

 

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